Gnadenlose Fabel

- Man hat sich arrangiert im Land der Toten. Die Menschen haben sich in einer Stadt verschanzt und sorgen mit einem Schutzwall dafür, dass die Zombies draußen bleiben. George Romero, der vor bald 40 Jahren das Genre des Zombie-Films erfunden hat, legt nun eine düster-sarkastische Fortsetzung seiner Saga vor. Die Untoten sind immer noch auf der Jagd nach Menschenfleisch, aber nicht mehr so tumb wie in den ersten Filmen. Die Evolution geht auch an dieser Spezies nicht vorüber. Die Zombies lernen und organisieren sich, um die Stadt der Menschen zu stürmen. Die Lebenden wiederum sind in ihrer Apathie und Rücksichtslosigkeit von den Zombies kaum noch zu unterscheiden.

Diese Idee zieht sich wie ein roter Faden durch das Zombie-Opus von Romero, der das als Gleichnis für eine verrottende Gesellschaft nutzt. Die lebenden Leichen erobern schließlich die letzte Festung der Zivilisation. Aber Romero lässt wenig Zweifel daran, dass das kein echter Verlust ist. Denn auch im absoluten Ausnahmezustand schaffen es die Menschen nicht zusammenzuhalten. In der Stadt herrscht weiterhin Klassentrennung: Die Reichen simulieren in einem Luxus-Hochhaus Normalität, während das Lumpenproletariat sehen muss, wie es zurecht kommt. Dennis Hopper spielt den mächtigen Paten der Stadt als hysterischen Zyniker und parodiert, leicht erkennbar, US-Verteidigungsminister Rumsfeld.

Überhaupt nimmt der Film ständig Bezug auf die aktuelle Lage in Amerika. "Jeder hat in diesen Tagen eine traurige Geschichte; ich will keine davon hören", sagt etwa der Söldner Riley, der die Grenzen der Stadt sichert. Es ist ein ätzender Kommentar Romeros auf die paranoide Wehleidigkeit in seiner Heimat. Riley, den Simon Baker zurückhaltend als ausgebrannten Melancholiker spielt, ist die einzige Identifikationsfigur in dieser gnadenlosen Fabel. Der Mann hat genug davon, in der Stadt eingesperrt zu sein, und längst alle Illusionen verloren. Einmal versucht ihm ein anderer Söldner zu erklären, dass der Unterschied zwischen Zombies und Menschen darin bestehe, dass die Zombies nur vorgeben zu leben. Das tun wir alle, sagt Riley und verzieht keine Miene. Es war kein Scherz.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Autokino.)

"Land of the Dead"

mit Simone Baker, Dennis Hopper

Regie: George Romero

Sehenswert

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