Die Götter helfen dem Läufer

- Können sich Eskimos eigentlich auch die Finger blau frieren? Das fragt man sich bei diesem in Bibberkälte spielenden Film, der den Zuschauer nur vom Hinschauen schon zu immer neuen Schüttelfrostschüben nötigt . . . Denn nicht nur weiß und weit ist hier das Land, sondern klirrend kalt. Eine Wüste der anderen Art. Doch auch in dieser Einöde finden sich Spuren des Lebens. Neben den Tieren gehören dazu die Nomaden. Man schreibt ungefähr das Jahr 1000:

<P>Das Mittelalter ist hier gleißend hell, und das Leben der Inuit, der kanadischen Eskimos, wird bestimmt vom Kreislauf der Natur, von dem hier alles abhängt, vom Krieg zwischen den Völkern und von mächtigen Schamanen, die diese ehernen Gesetze interpretieren. Zu diesen gehört auch die Blutrache, die seit Generationen zwischen zwei Familien herrscht. Oki (Peter-Henry Arnatsiag) ist der leicht erregbare Sohn des Lagerführers. Der fühlt sich in den Schatten gestellt von einem Brüderpaar: von Amaqjuag, dem Starken, und Atanarjuat (Nator Ungalaag), dem schnellen Läufer. Als der Läufer Oki auch noch Atuat (Silvia Ivalu), die er zur Braut ausersehen hat, wegschnappt, schäumen dessen Gefühle über: Ein Mordanschlag auf die Brüder kostet Amaqjuag das Leben. Doch Atanarjuat kann entkommen. Nackt und allein flüchtet er in die Wälder. Doch bald wird ihm übersinnliche Hilfe zuteil.</P><P>Zacharias Kunuks sehenswerter "Atanarjuat" ist eine mythische Geschichte mitten aus dem Leben des Nomadenvolks, von dem auch in ihrer Heimat kaum jemand etwas Genaues weiß. Es handelt sich um den ersten kanadischen Film überhaupt, der von einem Inuit geschrieben, inszeniert, produziert und gespielt wurde - immerhin das Herz wird einem dabei etwas wärmer. In langen episch-meditativen Einstellungen erzählt der Film eine alte Legende aus der ostarktischen Wildnis, geprägt von erstaunlichen Bildern - ein Actionthriller der ganz anderen Art. Und wenn die Götter wie hier als Frostschutzmittel taugen, dann hat Religiosität mal wieder etwas richtig Praktisches. (In München Atelier und Isabella O. m. U.)</P><P>"Atanarjuat"<BR>mit Nator Ungalaag, Silvia Ivalu, Peter-Henry Arnatsiag <BR>Regie: Zacharias Kunuk<BR>Sehenswert </P><P><BR> </P>

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