Gondeln und Goldbarren

- Donald Sutherland in Venedig - wer denkt da nicht zuerst an einen der größten Auftritte dieses wunderbaren Darstellers vor fast 30 Jahren, in Nicholas Roegs epochalem "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Voller feiner Anspielungen an diesen Film beginnt "The Italian Job", und wieder ist Sutherland als Gastarbeiter besonderer Art in der Serenissima, wieder wirkt die einzigartige Stadt als Kulisse für ein geheimnisvolles Vexierspiel voller Überraschungen, falscher Fährten, doppelter Böden.

<P>Doch diesmal tragen die Gondeln Goldbarren, und man wird Zeuge eines virtuosen Raubzugs. Ein Kriminalfilm der alten Schule. "Rififi" stand auch diesmal Pate, und "The Italian Job" ist genau genommen das Remake eines Michael-Caine-Films aus dem Jahr 1968, den keiner mehr kennt - und hier auch nicht wiedererkennen wird, so sehr sind Story und Stil verändert.<BR><BR>Sutherland ist der Gangster-Gentleman: elegant, ein Krimineller zwar, doch einer der hochsympathischen Sorte, klug statt brutal, mit einem strengen Ehrenkodex. Sein Gegenpart ist der von Edward Norton lässig gespielte Steve: New School, brutal und klug, ohne Ehre, mit eiskalter Eleganz. Der neue Stil setzt sich gegen den alten mit Leichtigkeit durch. Steve betrügt den Rest der Gang - doch nun muss er deren Rache fürchten. </P><P>Regisseur F. Gary Gray spickt seinen unterhaltsamen Film mit vielen listigen Einfällen und überraschenden Details. "The Italian Job" amüsiert und unterhält durch Irrwitz, den Mut zur Übertreibung und die flotte Inszenierung. Wenn im Idealfall Kino die reine Bewegung ist, in der die Bilder über die Geschichte siegen, die Intensität des Gefühls über die Logik der Handlung, dann kommt "The Italian Job" reinem Kino manchmal ganz nahe. <BR><BR>In der zweiten Hälfte gibt es ein großes Durcheinander. Für ihren neuen Coup inszenieren die "guten Gangster" ein riesiges Verkehrschaos in Los Angeles, schlagen der Russenmafia ein Schnippchen und rächen sich zu guter Letzt an Steve. Das alles geschieht mit Leichtigkeit, fast immer mit komödiantischem Unterton und gewürzt durch smarte Dialoge, die sich in der englischen Originalfassung natürlich immer noch am besten anhören. <BR><BR>Besonders gut gefällt auch Charlize Theron, die als Sutherlands Tochter Sara nahtlos in dessen Fußstapfen tritt, mit Witz und Charme ihren Kumpanen den letzten Pfiff gibt - bis zum sehr ironischen Ende. </P><P>- läuft hier im Kino<BR><BR>"The Italian Job"<BR>mit Donald Sutherland, Mark Wahlberg, Charlize Theron<BR>Regie: F. Gary Gray<BR>Sehenswert </P>

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