Gott hat Afrika längst verlassen

- Die Sonne sieht man nur einmal kurz zu Beginn und dann wieder am Ende, aber ansonsten ist es düster in dem Afrika, das Antoine Fuqua zeigt. Schwere Wolken hängen am Himmel, ständig regnet es, und auch sonst werden keine Klischees gepflegt, die man aus anderen Filmen über den Schwarzen Kontinent kennt. Ein Stereotyp jedoch bleibt: Der weiße Mann ist im Recht und darf deswegen das tun, was der schwarze Mann nicht darf - töten. Bruce Willis, der die ganze Zeit im Film merkwürdig abwesend wirkt, ist dieser weiße Mann, der als moralische Instanz in einen fiktiven Bürgerkrieg in Nigeria eingreift und schließlich eine komplette Rebellenarmee auslöscht.

<P>Dabei sieht es bei "Tränen der Sonne" lange so aus, als hätte man sich in Hollywood von diesen tumben Rambo-Fantasien gelöst. Denn anfangs ist der Ton sehr zurückhaltend. Ein Spezialkommando der US-Armee soll amerikanische Staatsbürger aus einer Krisenregion evakuieren. Fuqua zeigt diesen von Bruce Willis geführten Trupp zunächst als Team nüchterner Handwerker des Krieges, die kein unnötiges Risiko eingehen und möglichst effektiv ihren Auftrag erledigen wollen. <BR><BR>Ziel der Aktion ist eine Ärztin (Monica Bellucci stöckelt dekorativ durch den Busch), die sich freilich querstellt und darauf besteht, ihre einheimischen Patienten mitnehmen zu dürfen, um sie vor den herannahenden Rebellen zu schützen. Und hier wird es unglaubwürdig. Denn nach einigem Hin und Her entschließt sich Willis, dieses Strandgut eines Konflikts, der ihn nicht im geringsten interessiert, gegen den Willen seiner Vorgesetzten zu retten.<BR><BR>So kommt es, wie es kommen muss - irgendwann werden die US-Soldaten Zeugen eines Massakers und greifen ein. Dieser vermeintlich heroische Akt ist der Tiefpunkt des Films, der unabsichtlich viel über die amerikanische Seele verrät. Die Soldaten, die sich hier schießend einmischen, tun das aus der tiefen Überzeugung heraus, moralisch richtig zu handeln. Jeder getötete Rebell ist ein verhindertes Kriegsverbrechen, denken sie.</P><P>Letztlich sind sie Fremde, die nichts anderes tun als alle anderen auf diesem traurigen Flecken Erde: morden. Dass die bösen Rebellen Moslems sind, die rechtschaffene Christen abschlachten, verleiht dem Streifen in seiner unreflektierten Darstellung einen üblen Beigeschmack. <BR><BR>Im Grunde steht "Tränen der Sonne" in der Tradition der Western. Auch hier sind die Einheimischen entweder Unmenschen oder zu beschützende Staffage, und am Ende kommt rettend die Kavallerie. Dieser Ungeist der platten Propaganda verleidet einem den Film, der an sich viele interessante Momente hat. "Geh mit Gott", ruft ein Missionar einmal Bruce Willis hinterher, und dessen zynische Antwort ist unterschwellig die eigentliche Botschaft des Films: "Gott hat Afrika längst verlassen." </P><P>"Tränen der Sonne"<BR>mit Bruce Willis, Monica Bellucci<BR>Regie: Antoine Fuqua<BR>Erträglich </P>

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