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Gott ist beleidigt

- Wie verfilmt man einen 800-seitigen Roman? Im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Harry Mulischs "Entdeckung des Himmels" galt außerdem nicht nur wegen seiner ausschweifenden Erzählweise als kinoresistent. Außerdem: Wie soll man den Eingriff himmlischer Mächte auf die Leinwand bringen, ohne in kindlich-kindische Vorstellungswelten abzugleiten?

<P>Der holländische Schauspieler Jeroen Krabbé´ hat beides gewagt - und auf seine Weise gewonnen. Seine Adaption ist spannendes Unterhaltungskino, auch bewegend, eine Mischung aus Drama und Mystery-Thriller. Der Preis: eine radikale Reduktion der Vorlage auf ihre pure Handlungsstruktur.<BR><BR>Mitte der 60er-Jahre lernen sich zwei Männer kennen: der Astrophysiker Max und Onno, ein angehender Politiker. Bald verbindet sie eine so enge Freundschaft, dass sie von sich als "kosmische Zwillinge" sprechen - und sich in dieselbe Frau verlieben. Was der Roman bis dahin kaum thematisiert, wird im Film von Anfang an angesprochen: Das seltsame Treiben der Flower-Power-Generation ist kein Sittenverfall, sondern den Absichten der Himmlischen geschuldet. Alles dient nur einem Zweck, nämlich die Tafeln mit den Zehn Geboten zurückzubringen. Gott ist beleidigt, weil niemand mehr an ihn glaubt.<BR><BR>Im Roman ist diese märchenhafte Mechanik in ein dichtes Netz filigraner Diskurse eingebunden, die im Kino nicht ohne weiteres darstellbar wären. Krabbé´ greift nur einen dieser vielen Fäden auf, weil er mit ihm den Stoff in den Griff bekommt: den Gedanken des Determinismus, versinnbildlicht im Getriebe alter Uhrwerke. Deshalb dreht sich alles in diesem Film, die Figuren, das Leben, die Kamera, selbst das Firmament, weil alles einem geheimen Plan gehorcht.<BR><BR>In seiner Rasanz entfaltet der Film eine bezwingende, Ravels "Bolero" vergleichbare Magie. Vor dieser Dynamik verblassen selbst die Vorbehalte gegen die mythologische Fabel, deren religiös verbrämten Nonsens man dafür gerne in Kauf nimmt. </P><P>"Die Entdeckung des Himmels"<BR>mit Stephen Fry, Greg Wise, Flora Montgomery<BR>Regie: Jeroen Krabbé´<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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