Gott verhüte

Dieser Film spaltet Kroatien - und macht sich über Bigotterie lustig: "Gott verhüte!"

Abgesehen von Polen gibt es in Europa kein Land, in dem die katholische Kirche auch nur annähernd so viel Einfluss hat wie in Kroatien. Das mag erklären, weshalb eine Komödie, die in mitteleuropäischen Augen nur sehr bedingt Skandalpotenzial hat, die Menschen auf dem Westbalkan derart beschäftigt wie „Gott verhüte!“. Die einen rannten begeistert ins Kino und machten „Gott verhüte!“ zum erfolgreichsten kroatischen Film in diesem Jahrhundert (so die Eigenwerbung), die anderen waren ehrlich empört. Im Hinterland gab es Kinobesitzer, die es für klüger hielten, den Film lieber nicht zu zeigen, um den ortsansässigen Geistlichen nicht zu verärgern.

Regisseur Vinko Bre(s)an macht sich wunderbar respektlos über Bigotterie, Dogmatismus, Engstirnigkeit und Heuchelei lustig. Wenigstens zu Beginn, wenn der Priester einer Insel in demografischer Schieflage die Menschen zwangsweise mit Kindern beglückt, indem er gelochte Kondome unters Volk bringt. Als sich auch noch der Apotheker zum Komplizen macht und Vitamintabletten als Anti-Babypillen verkauft, bricht ein Geburtenboom über die Insel herein, der nicht immer zur Harmonie beiträgt. Denn: Die Menschen, die Sex haben, sind nicht notwendigerweise diejenigen, die miteinander verheiratet sind.

Kre(s)imir Miki(´c) macht seine Sache als heillos überforderter Familienplaner in der Hauptrolle gut, aber er kann nicht verhindern, dass der Film gegen Ende mit zu vielen Themen überfrachtet wird und den Balanceakt zwischen anarchischer Komödie und erdenschwerer Tragödie nicht wirklich hinbekommt. Die deutsche Fassung krankt natürlich daran, dass man die mitunter recht derben Scherze bestenfalls mittelgut übersetzen kann. Als Zeitvertreib passabel, aber keine Entdeckung – und auch kein Skandal.

Zoran Gojic

Rubriklistenbild: © Maja Lesar/Neue Visionen/dpa

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