Große Gefühle und Heimatliebe

"Das Leben der Anderen": - München - Der Oscar-Gewinn für Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck liegt schon mehr als drei Wochen zurück - und immer noch ist der 33-Jährige in Hochstimmung. "Dass ich jetzt mit dieser Statue siegreich heimkehre, dass ist schon was sehr Schönes", sagte er. Ministerpräsident Edmund Stoiber empfing den Oscar-Gewinner zu einer bajuwarischen Jubelfeier in der Münchner Residenz.

Als Anerkennung für den überwältigenden Erfolg seines Stasi-Dramas "Das Leben der Anderen" nahm der Filmemacher von Stoiber einen bayerischen Löwen aus Nymphenburger Porzellan entgegen.

Auch wenn er nun zuerst in Amerika einen Film drehen will, hängt das Herz des Erfolgsregisseurs doch an Bayern. "Ich hoffe, dass sie mich weiterhin als einen der Ihren sehen können", schmeichelte von Donnersmarck zum Entzücken Stoibers. Zum Beweis für seine Verbundenheit durfte Bayerns Ministerpräsident sogar selbst den Oscar halten und an der Seite des Zwei-Meter-Mannes in die Kameras strahlen.

Stoiber dankte von Donnersmarck für die Offenlegung des "wahren Gesichts" der DDR-Diktatur. "Das Leben der Anderen" zeige zutiefst aufrührende Bilder eines menschenverachtenden Überwachungssystems. "In einer Zeit der DDR-Nostalgie und der Verharmlosung der Brutalität des SED-Regimes bietet sein Film ein notwendiges Korrektiv."

Dass von Donnersmarck so ein starkes Bekenntnis zu Bayern ablegt, freut Stoiber natürlich besonders. Er habe die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das deutsche und bayerische Filmschaffen gelenkt, denn die Wurzeln des Erfolges lägen ja in München.

Allerdings war es für den Regisseur und seine Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann nicht leicht, ihr Projekt durchzukämpfen. Viele Verleiher hätten abgelehnt, da ihnen der Film, der inzwischen mehr als 1,8 Millionen Zuschauer anlockte, als zu düster und zu wenig erfolgversprechend erschienen sei, erinnerte von Donnersmarck. Dass es dennoch geklappt habe, sei vor allem der bayerischen Filmbranche und seinen beiden Produzenten zu verdanken. "Berg und Wiedemann haben eine herrliche bayerische Mischung von Intelligenz und Unbescheidenheit, die sehr oft den Erfolg nach sich zieht."

Übergroße Ehrfurcht bringt von Donnersmarck seiner goldfarbenen Oscar-Figur nicht entgegen, auch wenn er sie in einer ausgepolsterten Tasche herumträgt. Makellos sei sie auf jeden Fall nicht mehr. "Man reicht ihn ja so oft herum, dass man gar nicht weiß, wer der Kratzverbrecher war - aber es ist nicht schlimm, ein Oscar ist ein Gebrauchsgegenstand."

Einen festen Platz hat die Trophäe noch nicht, auch wenn seine drei Jahre alte Tochter schon Begehrlichkeiten angemeldet hat. "Sie wollte eigentlich, dass er zu ihr ins Kinderzimmer kommt, aber soweit ging dann meine Liebe doch nicht", sagte der Regisseur, der noch einen einjährigen Sohn hat und im Juli mit seiner Frau Christiane ein drittes Kind erwartet. Nach der Goldtrophäe werde der Kleine aber nicht benannt. "Ich habe ja schon einen Oscar, ich brauche nicht noch einen."

Sich auf seinem überwältigenden Erfolg ausruhen will von Donnersmarck nicht. "Es geht ja nicht wirklich nur um Preise, es geht ja auch um innere Ziele, die man sich steckt, und ich weiß bestimmte Dinge, die ich für mich noch erreichen will, bestimmte Dinge, die ich noch ausdrücken will."

Nach einem lang ersehnten Familienurlaub hat von Donnersmarck schon wieder Pläne für einen neuen Film, die er aber noch nicht verraten will. "In Amerika tun sich für mich große Chancen auf. Wenn ich diese Chancen jetzt nutze, ist das kein Verlassen des Landes." Stattdessen werde er sowohl in Los Angeles, als auch in Bayern eine Wohnung suchen. "Manchmal scheint mir, dass zwischen München und Los Angeles die Entfernung geringer ist, als zwischen München und Berlin!"

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