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Allein in fernen Welten: In „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ wird das Team demontiert und die Charaktere (hier Zoe Saldana als Gamora) auf sich und ihre Herkunft zurückgeworfen.

Wiedererkennungswert

„Guardians of the Galaxy 2“: Helden-Dämmerung

München - „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ setzt auf Nostalgie und wirkt stellenweise wie am Reißbrett entworfen.

Die Nostalgie frisst ihre Kinder. Der Wiedererkennungswert ist eines der Fundamente unserer Populärkultur – wegen des ökonomischen Vorteils im Krieg um die knappe Ressource Aufmerksamkeit. Oder als Versprechen einer Rückkehr ins wohlige, aufregende Gefühl des Damals, der Kindheit.

„Guardians of the Galaxy“ wurde zum Überraschungserfolg, gerade weil er etwas frischen Wind in die Maschinerie des Marvel-Verlags brachte, mit relativ unbekannten Figuren und Welten. Dabei erhaschte der Film zumindest einen Abglanz des einstigen „Krieg der Sterne“-Gefühls, als Science-Fiction-Blockbuster noch Staunen und Abenteuer bedeuteten statt Routine.

Jede Fortsetzung hätte es damit schwer gehabt – aber „Vol. 2“ heischt extrem nach einer Instant-Nostalgie, gerade mal drei Jahre später. James Gunns Film wirkt, als sei er nach Checkliste zusammengeschraubt. Vielleicht braucht der Film aber auch diese oberflächliche Wohlfühl-Versicherung, um zu übertünchen, dass in seinem wahren Herzen etwas sehr Finsteres, Ungutes lauert. Schwebte über dem Vorgänger der gütige Geist von „Star-Lords“ toter Mutter, ging’s damals ums Finden einer Ersatzfamilie und gründete der Charme in der Interaktion der Charaktere, wird das Team (die Dramaturgie von „Avengers 2“ abkupfernd) nun demontiert. Als Einzelkämpfer erweisen sich dessen Mitglieder als ziemlich lädierte Seelen, oft mit dem Erbe reichlich ungütiger Väter ringend. Gamora wurde von Papi zum steten Wettstreit mit ihrer Schwester Nebula gezwungen, was die Unterlegene mit Verstümmelung bezahlte. Drax hat das Massaker an seiner Familie noch nicht verwunden. Und „Star-Lord“ Peter Quill lernt die ach so scherzhaften Traumatisierungen durch seinen Quasi-Adoptivvater Yondu (Michael Rooker) schätzen, als er seinen wahren Vater kennenlernt: den Gott Ego (Kurt Russell), dessen Name Programm ist. Selbst der niedliche Baby-Groot scheint seine Wurzeln in einem Reservoir immenser Wut zu haben. Das wahrhaft Verunsichernde aber ist, wie sehr die vermeintlichen Helden nicht nur davon geprägt sind, sondern wie willig sie ihre Verletzungen nach außen kehren, andere zum Opfer ihres Zorns machen. Leichtfertig inszeniert es der Film als lustig oder cool, wenn die Figuren zerstörerische, ja reuelose Massenmörder werden.

Freilich gibt es noch die rettende Liebe zu Mami. Aber wenn sich die Guardians am Ende zusammenraufen, dann bleibt das Gefühl einer Konstellation mit viel unbewältigtem psychischem Ballast. Nicht Freunde sind sie, heißt es fast drohend, sondern Familie! Und bevor jemand richtig spürt, wie bitter das ist, greift „Vol. 2“ zur sichersten, abgenudeltsten aller „Vater & Sohn“-Nummern. Und rettet sich emotional in den Hafen sentimentaler Wehmut.

„Guardians of the Galaxy Vol. 2“

mit Chris Pratt, Zoe Saldana

Regie: James Gunn

Laufzeit: 137 Minuten

Annehmbar

Dieser Film verhält sich zum ersten Teil wie „Star Wars: Episode VII“zum ersten „Star Wars“ aus dem Jahr 1977.

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