Hallodri im Harz

- Das Örtchen Tanne im Ostharz ist nicht gerade ein Touristenmagnet. Auf dem Weg dorthin durchquert man die Dörfer Sorge und Elend, und davon gibt es, wie auch von den Tannen, reichlich in der Gegend. Und wer es einmal geschafft hat, dem tristen Mief von Hartz IV, Fusel und Hoffnungslosigkeit zu entkommen, der kehrt garantiert nicht wieder zurück.

Bis auf den schlitzohrigen Krischan (Bjarne Ingmar Mädel). Der Waldarbeiter taucht nach zwölf Jahren spurloser Absenz wieder auf, was bei seinen alten Freunden eher mühsam beherrschte Wut auslöst. Denn damals hat der Hallodri seinen Kumpels Ronnie (Frank Auerbach) und Bert (Steven Merting) ein gescheitertes Tiefkühlbroiler-Geschäft und Berge von Schulden hinterlassen und seiner damaligen Freundin ein Kind. Aber dem Charme und der Überzeugungskraft Krischans erliegen bald alle wieder. Auch wenn seine Idee, in Tanne den ersten internationalen Holzfällerwettbewerb auszurufen, auf den ersten Blick ziemlich versponnen anmutet.

Regisseur Matthias Keilich hat sich für seinen originellen Debütfilm "Die Könige der Nutzholzgewinnung" deutlich an dem bislang typisch britischen Genre der Sozialkomödie orientiert. Dass Keilich Produktionen wie "Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten" oder "Ganz oder gar nicht" Pate standen, ist nicht zu übersehen. Doch gut abgekupfert ist allemal besser als schlecht neu erfunden, und aus diesem Grund sind die bis in die Nebenrollen wunderbar besetzten "Könige der Nutzholzgewinnung" ein fein gemachtes Kinokleinod geworden. Voller schrulliger Figuren, deren Charaktere sehr liebenswert und zugleich realistisch gezeichnet sind.

Realistisch schon deswegen, weil Keilich in seiner unprätentiösen Inszenierung dem Zuschauer das obligatorische und mitunter arg roh gezimmerte Happy End der Vorbilder erspart. Das Leben von Krischan, Ronnie und Bert verbessert sich zwar, aber diese Aufwärtsbewegung ist mehr ein zarter Silberstreif am Horizont als ein glückliches Ende. (Ab morgen in München: City, Monopol.)

"Die Könige der Nutzholzgewinnung"

mit Bjarne Ingmar Mädel, Frank Auerbach

Regie: Matthias Keilich

Sehenswert

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