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„Ein Drama für Erwachsene“, sagt Harrison Ford über den Film „Ausnahmesituation“, in dem er den Wissenschaftler Dr. Stonehill spielt. Kinostart ist am Donnerstag.

Harrison Ford im Interview: „Ich gehe kaum ins Kino“

Entwaffnend ehrlich präsentiert sich Harrison Ford in unserem Gespräch beim Filmfestival von Deauville: Der 67-jährige Hollywood-Haudegen redet offenbar lieber über seine Hobbys als über Filme.

Er spricht langsam und leise, lässt bisweilen trockenen Humor aufblitzen – und wirkt dabei höchst knorrig, aber erfreulicherweise nie knurrig wie im neuen Film „Ausnahmesituation“, der am Donnerstag anläuft: Da spielt er einen grantigen Wissenschaftler, der ein Heilmittel gegen eine tödliche Krankheit entwickelt.

-Einen so ruhigen Film wie „Ausnahmesituation“ hätten sicher viele Fans nicht von Ihnen erwartet...

Stimmt. Aber ich war schon lange auf der Suche nach einer Rolle, die anders ist als alles, was ich bisher gespielt habe. Es war nicht leicht, das Geld für diesen Film aufzutreiben. Es ist ein Drama für Erwachsene – und liegt damit nicht sonderlich im Trend: Gefragt sind heutzutage eher Komödien mit Fäkalhumor oder Thriller mit möglichst vielen Explosionen. Aber zwischenmenschliche Beziehungen haben mich schon immer mehr interessiert als Action.

-Was schauen Sie sich am liebsten im Kino an?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich so gut wie nie ins Kino gehe. In meinem Alter mag man einfach nicht mehr so oft aus dem Haus. Und Filme daheim auf DVD zu gucken hasse ich noch mehr. Als Mitglied der Filmakademie bekomme ich zwar DVDs von allen oscarnominierten Filmen zugeschickt – aber ich beteilige mich nie an der Oscar-Abstimmung.

-Sie können wahrscheinlich auch nur noch in Nordkorea aus dem Haus gehen, ohne erkannt zu werden. Können Sie noch ungestört Menschen beobachten?

Natürlich ist das schwierig, wenn man selbst ständig angestarrt wird. Aber auch als Promi kann man durchaus die Verhaltensweisen anderer Leute studieren – ich habe da im Laufe der Zeit meine eigene Technik entwickelt. Zum Beispiel beobachte ich Sie gerade sehr genau und überlege, was in Ihrem Kopf vorgeht. Und wenn ich allein sein will, setze ich mich ans Steuer eines Flugzeugs. Über den Wolken habe ich meine Ruhe.

-Was fasziniert Sie an der Fliegerei?

Zunächst ging es mir um den Lerneffekt: Ich wollte wissen, wie Flugzeuge funktionieren; es hat mich gereizt, all die anspruchsvollen Fähigkeiten zu entwickeln, die man als Pilot braucht. Zudem gibt es dir ein wunderbares Gefühl von Freiheit, wenn du Herr über ein eigenes Flugzeug bist. Und schließlich spornt mich die große Verantwortung als Pilot an. Ich bin kein Draufgänger: Ich will meine Familie stets sicher ans Ziel bringen.

-Stimmt es, dass Sie ein halbes Dutzend Privatflugzeuge besitzen?

Ja. Darum bin ich ja so dankbar dafür, dass mich die Leute immer noch auf der Leinwand sehen wollen: Wenn ich keine Rollen mehr bekäme, müsste ich wieder als ganz normaler Passagier durch die Gegend gondeln. Aber abgesehen von diesem teuren Hobby lebe ich sehr sparsam. Beispielsweise habe ich mir noch nie einen Anzug gekauft – ich trage einfach immer die Klamotten aus meinen Filmen.

-Das heißt, Sie haben nicht noch ein halbes Dutzend Autos in Ihrer Garage stehen?

Nein, Autos haben mich nie besonders angetörnt. Allerdings gebe ich zu, dass ich mir in den vergangenen Jahren eine kleine Sammlung von Motorrädern zugelegt habe. Mit ein paar befreundeten Piloten gehe ich sonntags gern auf Biker-Tour. In Lederkluft und mit Helm erkennt mich kein Mensch. Einfach herrlich!

-Sie wirken erstaunlich fit für einen Mittsechziger. Wie halten Sie sich in Form?

Eigentlich treibe ich kaum Sport; ich spiele nur regelmäßig Tennis und versuche, drei Mal pro Woche zu trainieren. Ich ernähre mich auch nicht sonderlich bewusst. Dass ich mich noch so gut fühle, habe ich wohl meinen Genen zu verdanken: Meine Mutter ist 89 geworden, mein Vater sogar 92 Jahre.

-Würde es Sie reizen, noch mal die Peitsche von Indiana Jones zu schwingen?

Warum nicht? Wenn es nicht wieder zwei Jahrzehnte bis zum neuen Film dauert, bin ich bereit! Es hängt alles von einem überzeugenden Drehbuch ab. George Lucas hat anscheinend eine gute Idee und arbeitet gerade an der Story. Ich finde, das Ende des vierten Teils bietet fabelhafte Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung – etwa durch das Auftauchen seines Sohns, von dem er bislang nichts wusste. Diese Beziehung stelle ich mir sehr spannend vor!

-Dieser Sohn wird von Shia LaBeouf gespielt. Fürchten Sie nicht, Indianas berühmter Hut könnte für ihn ein paar Nummern zu groß sein?

Nein. Er ist ein hervorragender Schauspieler und hat einen wundervollen Humor. Es wäre mir eine Ehre, den Hut an ihn weiterzureichen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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