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„Ich mag keine Filme, die dir eine Botschaft aufdrücken“: In „Ender’s Game“ spielt Harrison Ford (71) einen Colonel, der Kadetten für einen Krieg gegen Aliens trainiert.

Interview zum Kinostart

Harrison Ford : „Ich hasse es zu versagen“

Zürich - Scheues Lächeln, kräftiger Händedruck, blitzender Ohrring: So begrüßt uns Hollywood-Haudegen Harrison Ford beim Filmfestival von Zürich, wo er einen Preis für sein Lebenswerk bekommt.

Er spricht leise und bedächtig – ganz anders als im Science-Fiction-Film „Ender’s Game“, der an diesem Donnerstag in die Kinos kommt. Da spielt der 71-Jährige einen autoritären Armee-Ausbilder.

-2002 wurde eine Ameisenart nach Ihnen benannt, doch in „Ender’s Game“ wollen Sie eine ganze Gattung ameisenartiger Aliens ausrotten. Wie fühlen Sie sich dabei?

Schrecklich. Einfach schrecklich. (Lacht.) Ich bin aber sehr froh, dass der Film kein gewöhnlicher Science-Fiction-Action-Müll mit Explosionen, Blut und Verfolgungsjagden ist – und dass die Aliens keine Klischee-Typen mit großen Augen und drei Fingern sind, sondern außergewöhnliche außerirdische Lebewesen auf der Suche nach Lebensraum.

-Hat die Anti-Kriegs-Botschaft Sie gereizt, die Rolle anzunehmen?

Wie viele meiner Zeitgenossen sollte ich einst nach Vietnam geschickt werden, doch ich lehnte ab und habe deshalb viel juristischen Ärger auf mich genommen. Sie sehen: Ich bin strikter Kriegsgegner. Aber ich mag keine Filme, die dir eine Botschaft aufdrücken wollen. Das tut „Ender’s Game“ auch nicht – stattdessen wirft der Film komplexe moralische Fragen auf: Was hat es für Konsequenzen, wenn man politischen Konflikten mit präventiver Gewalt begegnet? Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn sie ihre jüngsten und fittesten Mitglieder zu Befehlsempfängern abrichtet und in Kriegen verheizt, wie es ja auf der Welt immer wieder passiert?

-Wie schwer fällt es Ihnen selbst, Befehle zu befolgen?

Das kommt darauf an, ob ich sie für sinnvoll halte. Im Prinzip bin ich jemand, der zumindest offiziell keine Schwierigkeiten macht. Meistens versuche ich, die Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin, unauffällig zu umgehen.

-Warum sind Sie als junger Mann vom College geflogen? Doch nicht etwa wegen Aufmüpfigkeit?

Nein. Nennen wir es akademisches Versagen: Meine Noten waren konstant miserabel, und es gab keinerlei Anzeichen für eine Besserung, sodass den College-Direktoren vier Tage vor meinem Abschluss der Geduldsfaden riss. Später haben sie lange Zeit vergeblich versucht, mich zu einer Rückkehr zu bewegen.

-Doch Sie haben Ihr berufliches Glück in der Schauspielerei gesucht und gefunden. Was lieben Sie am meisten an Ihrem Job? Und was am wenigsten?

Am meisten schätze ich die Zusammenarbeit am Set: dass man gemeinsam versucht, eine Geschichte zu erzählen, und dass man jeden Tag im Team diverse Probleme lösen muss. Am wenigsten mag ich, dass ich kaum mehr die Möglichkeit habe, ein normales Leben zu führen und andere Menschen zu beobachten – das ist ja eigentlich ein grundlegender Teil meines Berufs. Stattdessen stehe ich selbst ständig unter Beobachtung. Ziemlich ungesund!

-Haben Sie eigentlich je daran gedacht, Regie zu führen?

Nein. Das ist mir zu zeitaufwendig, zu stressig und zu schlecht bezahlt. Hinzu kommt, dass ich gar nicht der Boss sein möchte. Hin und wieder habe ich zwar das Bedürfnis, den Boss herumzukommandieren, aber nur dann, wenn ich finde, dass ich damit dem Film am besten dienen könnte. Vielleicht habe ich auch deshalb keine Regie-Ambitionen, weil ich es hasse zu versagen. Ja, ich denke, als Regisseur einen Film zu vergeigen, das würde ich mir nicht verzeihen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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