Harry und die Pinguine schlagen King Kong

- Vom Krisengerede will die deutsche Filmbranche zum Jahresende nichts mehr hören: Stattdessen üben sich die Kinobetreiber und Filmverleiher nach dramatischen Zuschauereinbrüchen von bis zu 20 Prozent in einer seltsamen Meteorologie: Vom "Sommer im Herbst" berichten die Jahresbilanzen, weil das gute Wetter bis November dem Umsatz geschadet habe. Auf einem "heißen Winter" ruhen die Hoffnungen. Aber ob "King Kong" und "Die Chroniken von Narnia" nach starkem, aber nicht sensationellem Start die Trendwende bringen, ist fraglich.

Als treuester Kassenfüller bewährte sich wieder Harry. Dessen viertes Abenteuer "Harry Potter und der Feuerkelch" (6,4 Millionen Besucher) hat laut Media Control bisher rund 43 Millionen Euro eingespielt und ist damit umsatzstärkster Film. Die meisten Besucher (6,7 Millionen) zogen die putzigen Pinguine aus "Madagascar" an. Auf Platz zwei beim Geld und Rang drei bei den Besuchern brachte es "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith". Vom eisigen Südpol kam die schönste Überraschung des Jahres: Der französische Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine" faszinierte in Deutschland weit über eine Million Kinogänger.

Die Filmförderungsanstalt FFA hält sich in diesem Jahr mit Prognosen deutlich zurück und will erst im Februar konkrete Zahlen präsentieren. Dennoch schätzen Branchenexperten den Gesamtverlust 2005 auf zwischen 15 und 20 Prozent. Tatsache ist, dass deutsche Verkaufsschlager gefehlt haben. Deutsche Filme werden es nach ersten Schätzungen auf einen Marktanteil von rund 17 Prozent bringen, im Ausnahmejahr 2004 waren es 23 Prozent. An der Kasse schnitt von den heimischen Produktionen "Die weiße Massai" mit 2,5 Millionen Besuchern am besten ab. Weitere acht deutsche Werke brachten es immerhin zum Ehrentitel "Zuschauer-Millionär", darunter Til Schweigers "Barfuß", "Die wilden Kerle 2", "Alles auf Zucker" und - ganz knapp - das für den Oscar vorgeschlagene Drama "Sophie Scholl - Die letzten Tage".

Dass auch die Kinos in den USA 2005 einen Umsatzrückgang von voraussichtlich knapp acht Prozent hinnehmen müssen, ist kein Trost. Raubkopierer richten auch viel Schaden an und werden rigoros bekämpft. Doch ein weiteres Problem drängt sich auf: Die "Auswertungsfenster" der Filme in den Kinos werden kürzer. Diese haben immer weniger Zeit, ein Werk zu vermarkten, weil die Unterhaltungs-Konzerne es rasch als DVD verkaufen. Eine Aufwertung des Kinobesuchs als etwas Besonderes, die Abkehr von Multiplex-Palästen und ein größeres Augenmerk auf die Zielgruppe "50 plus" werden als Gegenstrategien diskutiert.

Ohne gute Filme funktioniert das jedoch alles nicht im kommenden Fußball-WM-Jahr, für das sich die Kinos mit besonderen Programmen rüsten.

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