Harte und unbequeme Kunst

- Schon im Alter von zwölf Jahren fasste Marc Forster den Plan, Filmregisseur zu werden, ein finanzieller Gönner ermöglichte ihm das Studium in New York. Nach seinem Erstling "Loungers", einer absurden Komödie, die wegen ungeklärter Musikrechte nicht veröffentlicht wurde, bekam der gebürtige Ulmer 2001 die Chance seines Lebens: Ihm wurde das Drehbuch zu "Monster's Ball" angeboten, einem Film über die Todesstrafe und die Liebe zwischen einer Schwarzen und einem Weißen. Hauptdarstellerin Halle Berry bekam dafür einen Oscar.

<P>"Monster's Ball" ist ein harter Film . . .<BR>Forster: Der Tod ist ebenso ein Bestandteil unseres Lebens wie die Geburt. Es hat mich immer fasziniert, warum Menschen sich töten, ja, dass sie überhaupt sterben müssen. Ich selbst bin eher ein lebensfroher Mann. Ich glaube allerdings auch, dass ich in schwierigen Phasen meines Lebens als Mensch wachse und das Leben viel intensiver empfinde. Eine ähnliche Wirkung verspreche ich mir von Kunst, gerade da, wo sie hart und unbequem ist.</P><P>Warum ist dieser Film so erfolgreich?<BR>Forster: Wichtig war mir die Stille. Es geht um Menschen, die ihre Gefühle nicht zeigen, nicht aussprechen können. Darum durfte nichts mit Musik-Soße zugedeckt werden. Überhaupt habe ich versucht, gegenüber dem Drehbuch zu reduzieren: In einer Szene etwa, wo es um rassistische Beleidigungen geht, sah das Buch vor, dass sich die Figuren schlagen und anspucken. Das war mir zu übertrieben. Ich wollte, dass sich alles auf ihren Gesichtern abspielt.</P><P>Kommt Ihnen Ihre Karriere nicht wie ein kleines Wunder vor? Der Stoff galt lange als heißes Eisen.<BR>Forster: Die Studios haben in den letzten Jahren sehr abgedroschene Sachen gemacht. Darum gehen sie zurzeit mehr Risiken ein. Die Leute wollen etwas Neues, neue Ideen, neue visuelle Konzepte. Sonst wird es langweilig. Jedes Mal, wenn ich selber einen Film mache, ist es wichtig, dass ich mich antreibe und Risiken eingehe, um so kreativ wie möglich meine Geschichte zu erzählen.</P><P>Hatten Sie als Newcomer-Regisseur freie Hand?<BR>Forster: Man ließ mir bei Besetzung und Inszenierung freie Hand _ unter einer Bedingung: Das Kind der weiblichen Hauptfigur musste sterben. Genau dies wollten selbst Starregisseure wie Sean Penn und Oliver Stone lieber weglassen.</P><P>Wie kamen Sie auf Ihre Hauptdarstellerin Halle Berry?<BR>Forster: Sie hatte sich beworben. Offen gesagt, erschien sie mir erst als zu schön. Bei einem weiteren Treffen erkannte ich aber, dass sie viel mehr ist: eine fantastische Schauspielerin, was nur noch niemand bemerkt zu haben schien.</P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland</P>

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