Heilige und Atheistin

- Salma Hayek (36) war in ihrer Heimat Mexiko bereits ein Star, als sie 1995 beschloss, ihr Glück in Hollywood zu versuchen. Beharrlich verfolgte sie ihr Ziel, in einer Filmbiografie die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) zu spielen. Für ihre Darstellung der Frida - der Film startet in Deutschland am Donnerstag - ist Salma Hayek jetzt für den Oscar nominiert.

<P></P><P>Hätten Sie jemals damit gerechnet?<BR>Hayek: Das mit dem Oscar muss man realistisch sehen. Ich war dieses Jahr für so ungefähr jeden Preis nominiert, für den man nominiert werden kann, und bin immer leer ausgegangen bin, also. . .</P><P>Was fasziniert Sie derart an Frida Kahlo?<BR>Hayek: Sie ist meine Heldin. Viele der Filme, die ich gedreht habe, gefallen mir nicht besonders. Irgendwann habe ich mir gedacht, man sollte wenigstens einen wirklich guten Film in seiner Karriere gedreht haben. Das ist mir mit "Frida" gelungen. Außerdem bin ich stolz darauf, dass der Film von Mexiko erzählt und das Land so zeigt, wie man es, glaube ich, noch nie im Kino gesehen hat.</P><P>Besitzen Sie privat Gemälde von Frida Kahlo?<BR>Hayek: Ich habe vier ihrer Zeichnungen und ein Gemälde von Diego Rivera, ihrem Mann. Meine Lieblingszeichnung von Kahlo stammt aus ihren letzten Lebensjahren, als es ihr bereits sehr schlecht ging. Es ist ein sehr beunruhigendes Werk. Sehr sexuell und gewalttätig. Mein Freund hat darauf bestanden, dass ich es von der Wand nehme, so Furcht einflößend ist es.</P><P>Offenbar gibt es mittlerweile zwei Ikonen in Mexiko: Frida Kahlo und Sie. Präsident Vincente Fox soll aufgrund Ihrer Fürsprache eine spezielle Dreherlaubnis für "Frida" gegeben haben.<BR>Hayek: Das Gerücht stimmt nicht. Ich habe mich ganz regulär an das Kultusministerium gewandt. Aber es stimmt: Es gibt zwei Ikonen in Mexiko: Die eine ist Frida Kahlo, die andere ist die "Jungfrau von Guadelupe". Die eine ist eine kommunistische Atheistin, die andere eine katholische Heilige.</P><P>Bisher hatten Sie das Image eines Sex-Symbols, das setzen Sie mit diesem Film aufs Spiel.<BR>Hayek: Ich habe viel Spaß, wenn ich das höre. In "Frida" spiele ich schließlich die erotischste Frau, die man sich nur denken kann. Niemand ist so sexy wie Frida Kahlo. Für diesen Film zeige ich vor der Kamera Dinge, die ich nie zeigen wollte. Und trotzdem sieht mich in "Frida" niemand als Sex-Symbol. Ich weiß auch weshalb: Diese Frau hat nicht nur Sex zu bieten, sondern sehr viel mehr. Aber warum werden Frauen eigentlich immer noch in erotische und kluge unterteilt? Dieses Denken lehne ich ab. Ich stehe zu meiner Sexualität, aber das heißt nicht, dass ich blöde bin.</P><P>Sie haben Nacktszenen stets abgelehnt, nun aber haben Sie sich für "Frida" ausgezogen.<BR>Hayek: Ich halte nicht viel von nackter Haut auf der Leinwand, und Liebesszenen sind für mich immer schwierig. Aber bei "Frida" war Nacktheit für mich kein Problem, es hat sich einfach organisch aus dem Charakter ergeben. Wenn man so einen Menschen spielt, muss man ihn nehmen, wie er war.</P><P>Es heißt, Sie hätten für diesen Film malen gelernt und dabei recht ansehnliche Bilder geschaffen.<BR>Hayek: Selbst wenn mein Leben davon abhinge, könnte ich nichts Vernünftiges zeichnen. Aber irgendwie habe ich es geschafft, ein paar halbwegs brauchbare Ölbilder hinzubekommen. Ich male aber nicht mehr. Weiße Leinwände machen mich einfach nervös.</P><P>Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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