Die Heimat im Drehbuch

München - "Man kann den Menschen aus der Heimat vertreiben, aber nicht die Heimat aus dem Menschen", zitiert Benedikt Kirchner den Autor Erich Kästner. Kirchner ist die Hauptfigur in Matthias Kiefersauers neuem Film "Baching", der heute auf dem Filmfest Premiere feiert (Maxx, 19.30 Uhr).

Baching ist ein fiktives Dorf in Oberbayern ­ eine Erfindung Kiefersauers (gedreht wurde in Fischbachau) und Synonym für "Heimat" schlechthin.

Kirchner kehrt zurück nach Baching, drei Jahre nachdem er im Suff ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft tot gefahren hat. Juristisch ist seine Schuld abgegolten ­ moralisch ist noch nichts geklärt. Kirchners Rückkehr in die Heimat reißt Wunden auf, bei den Eltern des Opfers, bei Kirchners Familie, bei seinen Freunden, nicht zuletzt bei ihm selbst. Davon erzählt Matthias Kiefersauer, der auch das Buch zu diesem, seinem zweiten abendfüllenden Film geschrieben hat, unaufgeregt und ehrlich. Ihm geht es nicht um die Katastrophe, sondern um die Verstrickungen danach. Er dramatisiert nichts, sondern vertraut auf die Wucht dieser Geschichte, auf seine Schauspieler: Thomas Unger, bereits im Kiefersauer-Erstling "Das große Hobeditzn" zu sehen, spielt Benedikt Kirchner.

Als Vater des Opfers überzeugt Michael Fitz in einer seiner ersten Rollen nach seinem "Tatort"-Ausstieg: Noch in der kleinsten Geste, im kürzesten Blick kann man jene Zerrissenheit erkennen, die diesen Mann umtreiben muss. "Nach den schönen bayerischen Komödien der letzten Jahre wird es Zeit für ein bayerisches Drama", sagt der Regisseur. Das ist ihm gelungen: "Baching" wurde in zwei Kategorien für den Film-Förderpreis nominiert, ging aber leer aus. Leider.

Man kann die Heimat nicht aus den Menschen vertreiben: Was für die Figur Benedikt Kirchner gilt, lässt sich auch für die neue Generation bayerischer Regisseure sagen, die mit Serienklassikern wie denen von Franz X. Bogner aufgewachsen ist und deren bekanntester Vertreter Marcus H. Rosenmüller ist. Dessen "Wer früher stirbt ist länger tot" haben im Jahr 2006 über 1,5 Millionen Kinozuschauer gesehen. Auf dem Filmfest hat Rosenmüller heuer den "Räuber Kneißl", eine wild-saftige Räuber-Pistole, vorgestellt. Die Freunde haben gemeinsam an der Münchner Filmhochschule studiert und beide fürs Bayerische Fernsehen gedreht ­ etwa Dokus für "Irgendwo in Bayern". Außerdem sind beide in der Heimat verwurzelt (Rosenmüller wurde 1973 in Tegernsee geboren, Kiefersauer im selben Jahr in Wolfratshausen).

Es sind neue, moderne Heimatfilme, die da in jüngster Zeit entstanden sind und die so gar nichts mit den kitschigen Wald-und-Wiesen-Filmen der 50er- und 60er-Jahre zu tun haben. Den Beginn der Entwicklung markieren "Die Scheinheiligen" (2001), Thomas Kronthalers Satire über den realen Bau eines Fastfood-Restaurants am Irschenberg. Dessen Erfolg ­ zumindest im Freistaat ­ motivierte Filmemacher ebenso wie die BR-Verantwortlichen: Während man auf Senderseite Suche und Pflege junger Talente intensivierte, rückten Autoren und Regisseure die eigenen Wurzeln in den Mittelpunkt. Eigene Herkunft, Dialekt ­ das sind Gestaltungsmittel, die gefallen: "In Zeiten der Globalisierung scheint die Welt unübersichtlicher geworden zu sein. Ich denke, dass sich die Zuschauer da gerne an etwas Regionalem festhalten", sagt Kiefersauer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer Film: Spielt Elyas M’Barek den per Haftbefehl gesuchten Mehmet Göker?
Die Geschichte um den Kasseler Ex-Versicherungsvertreter Mehmet Göker soll neu fürs Kino verfilmt werden. Gute Chancen auf die Hauptrolle hat "Fack Ju Göhte"-Star Elyas …
Neuer Film: Spielt Elyas M’Barek den per Haftbefehl gesuchten Mehmet Göker?
Star Wars 8 startet am 14. Dezember: Danach weitere Weltraum-Saga geplant
Die Macht ist mit uns - und bis Episode 8, "Die letzten Jedi", in die Kinos kommt, dauert es gar nicht mehr so lange. Wir verraten schon jetzt Spoiler und Gerüchte zu …
Star Wars 8 startet am 14. Dezember: Danach weitere Weltraum-Saga geplant

Kommentare