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Daniel Craig

Filmstart von „Unbeugsam – Defiance“

Ein Held aus Nächstenliebe

Daniel Craig über harte Kerle, Kollegen und Martini: Der 007-Darsteller im Interview.

Was kann passieren, wenn man mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig beim Interview im Hotel sitzt? Während der höfliche, gut gelaunte Brite erklärt, dass Menschen in der Not zu Helden werden, seilt sich vor dem Fenster eine mit Mütze und Schal vermummte Person ab. Ein wenig verdutzt hält der 41-jährige Schauspieler inne, findet jedoch sofort beruhigende Worte: „Ich werde Sie beschützen.“ Ein wahrer Held eben. Der Unbekannte, so stellt sich heraus, ist in harmloser Mission unterwegs. Und Craig weilt nicht als Geheimagent in München, sondern um über seinen Film „Unbeugsam – Defiance“ zu sprechen, der am kommenden Donnerstag startet. In dem Actiondrama spielt er den jüdischen Widerstandskämpfer Tuvia Bielski, der im Zweiten Weltkrieg Hunderten das Leben rettete.

Haben Sie sich vor dem Film intensiv mit dem Holocaust auseinandergesetzt?

Ich dachte, dass ich bereits eine Menge über diese Zeit weiß. Doch von jüdischen Partisanen hatte ich noch nie etwas gehört. Immer noch tauchen neue Geschichten auf. Und je mehr ich über die Bielski-Brüder erfuhr, desto wichtiger erschien es mir, dass ihre Geschichte ans Licht kommt.

Was mögen Sie an Ihrer Figur, dem jüdischen Widerstandskämpfer Tuvia Bielski?

Sein moralisches Dilemma. Er war bereit zu morden, um das zu beschützen, was er hatte. Und er hat es hingenommen, dass sein Bruder tötete und gewalttätig auftrat. Aber Tuvia formte eine Gemeinschaft, die nicht nur im Wald überlebte, sondern aufblühte. Kinder wurden geboren, es gab Schulen, ein Theater. Diese Widersprüche faszinieren mich.

Der Film stellt die Frage: „Was hätte ich getan?“ Wissen Sie, wie Sie reagieren würden?

Ich habe nicht die leiseste Idee. Ich weiß, dass ich versuchen würde, meine Familie zu schützen und für sie zu kämpfen. Aber darüber hinaus? Keine Ahnung. Zwar kann ich mit Ihnen jetzt diskutieren, aber die Situation ist zu extrem, als dass ich sie mir wirklich vorstellen könnte.

Was macht einen Helden aus?

Ereignisse machen Menschen zu Helden, nicht umgekehrt. Der Held ist der Letzte, der sich selbst als solcher beschreibt. Die Helden, mit denen ich sprach, wollten nicht über ihre Taten reden. Falls doch, dann hörte ich nie, dass eine höhere Bedeutung eine Rolle spielte. Sie taten es aus Nächstenliebe, für einen Freund, um den sie sich sorgten. Es gibt keine Mustervorlage für Helden – außer, dass sie das tun, was von ihnen in einer bestimmten Situation verlangt wird. Die Bielski überlebten mit 1200 Menschen. Das kann ihnen keiner nehmen.

In der Not werden Helden geboren?

Ich glaube, ja. Stellen Sie sich vor, dass jetzt eine Granate hier landen würde. Einer von uns sollte sie aufheben. Ich weiß nicht, wer es wäre. Aber ich hoffe, dass es zumindest einer versuchen würde. Mich interessiert der Weg, wie ein gewöhnlicher Mensch zum Helden wird. Eine Heldenrolle ohne Fehler und Schwachstellen reizt mich nicht.

Sie spielen eher die harten Kerle. Wie wäre es mal mit einer Rolle in einer romantischen Komödie?

Um Himmels Willen, nein, Das mache ich nicht. Ich bin kein Romantiker (lacht).

Wählen Sie Filmrollen anders aus, seitdem Sie „James Bond“ sind?

Ich bin momentan sicherlich nicht darauf aus, in anderen Filmen britische Spione zu spielen. Es gibt gute Drehbücher und gute Rollen, aber man muss nach ihnen suchen. Doch seit ich in „James Bond“ spiele, gibt es für mich schon mehr gute Angebote. Ich durfte mit großartigen Regisseuren und Kollegen zusammenarbeiten. Und sie reden noch mit mir (grinst).

Wie war die Arbeit mit Liev Schreiber und Jamie Bell?

Ein großes Vergnügen. Im Film geht es um das Verhältnis zwischen Brüdern. Sie sind eine Familie. Aber wenn Tuvia, Zus und Asael zusammen sind, kommt es unter ihnen immer wieder zu Kämpfen, obwohl Krieg um sie herum tobt. Gleichzeitig kommen sie ohne einander nicht aus. Das mussten wir gut hinkriegen. Beide, Liev und Jamie, sind wunderbare Schauspieler.

Gab es da auch Kabbeleien wie unter Brüdern?

Oft auf Kosten von Jamie, dem Jüngsten. Er hat’s aber genossen – trotz ein paar Schürfwunden, nichts Schlimmes (lacht). Ich weiß, wie ernst das Thema des Films ist. Aber beim Drehen witzelten wir viel rum. Ich glaube, auf diese Art kamen wir da ganz gut durch.

Im Film geht es um Familie, um Gemeinschaft. Sind Sie ein Familienmensch?

Sehr sogar. Meine Familie und meine Freunde sind das Wichtigste in meinem Leben.

Was macht ein Action-Held in seiner Freizeit?

Was jeder andere auch macht: Ich lese, gehe ins Kino und reise gerne. Normale Dinge, nichts Verrücktes.

Können Sie kochen?

Ein Essen nur für zwei oder drei Personen zuzubereiten, darin bin ich nicht so gut. Es fällt mir leichter, gleich für sieben Leute zu kochen. Dann mache ich einen Eintopf, Nudelgerichte oder einen Braten.

Gab es für Sie Martini bei den Dreharbeiten?

Es gab Wodka, und zwar in der Szene, in der wir eine Hochzeit feiern. Es war an der Zeit, gemeinsam etwas zu trinken.

Entschieden Sie sich aus politischen Gründen für die Rolle des jüdischen Widerstandskämpfers?

Als Schauspieler halte ich mich von der Politik fern. Dafür gibt es Politiker. Ich wollte Teil dieses Films sein, weil er Fragen aufwirft – über Moral und Zivilcourage. Man sollte mit Freunden ins Kino gehen und anschließend beim Essen diskutieren und sich fragen: „Wie hätte ich reagiert?“ Das wäre eine gute Sache.

Das Gespräch führte Verena Bach.

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