Der Held von Sophiatown

- "Wir müssen unsere Geschichte selber schreiben", fordert Zola Maseko. Bis vor einem Jahrzehnt litt er wie viele schwarze Südafrikaner unter dem Apartheidsregime. Ende der 80er-Jahre schloss sich Maseko dem bewaffneten Widerstand an, bevor er in London ein Filmstudium begann. Heute will Maseko seine Landsleute erinnern, dass es viele Helden in ihrer Geschichte gibt.

Einer von ihnen, der Journalist Henry Nxumalo, ist die Hauptfigur seines neuen Films "Drum". Henry genießt sein unbeschwertes Leben in Sophiatown, einem Stadtteil von Johannesburg. In den frühen 50er-Jahren dürfen hier auch Schwarze noch Jazzbars besuchen, zumindest, wenn sie sich nicht erwischen lassen. Immer vorne dabei: Henry und seine Redaktionskollegen. Tagsüber schreiben sie Sport- und Klatschgeschichten für ihre Illustrierte "Drum", nachts feiern sie mit harten Drinks und schönen Frauen. Die Politik interessiert sie nicht, solange sie in Ruhe gelassen werden. Doch dann packt Henrys Frau ihn bei der Ehre: Will er nur in seiner Kunstwelt leben oder über das wahre Südafrika schreiben? Also heuert der Boxreporter verdeckt bei einem weißen Farmer an. Dort wird er gedemütigt, ausgepeitscht und fast erschossen - und beginnt seine zweite Karriere. Zusammen mit dem deutschen Fotografen Jürgen Schadeberg deckt Henry immer neue Missstände auf, für die er viel riskiert. Henrys aufrüttelnde Reportagen machen "Drum" zum neuen Leitmedium und ihrem Autor immer mehr Feinde.

Bei der Ehre gepackt

Regisseur Maseko hat mit seiner schnörkellos inszenierten Geschichte den "Goldenen Hengst" gewonnen, einen Preis für Filme, die am besten die afrikanische Wirklichkeit wiedergeben. Die ist nämlich nicht so klar in Schwarz und Weiß zu teilen wie die Hautfarben. Auf den Farmen regieren schwarze Vorarbeiter mit rigider Brutalität, dafür ist einer von Henrys Helfern sein britischer Herausgeber Jim Bailey. Doch auch er ist im System gefangen. Als die Polizei mehrfach sein Büro aufsucht, wird ihm Henrys neue Geschichte zu riskant. Doch der schreibt unbeirrt gegen die Zustände an. So wird Henry zum Helden von Sophiatown, doch unsterblich ist nur sein Ruhm. (In München: Münchner Freiheit, Rottmann, Museum i.O.). Jan Schlieter

"Drum"

mit Taye Diggs, Gabriel Mann

Regie: Zola Maseko

Sehenswert

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