Herzerwärmendes Leuchten

- Es ist dieses strahlende Lächeln, das, kaum gesehen, für immer im Gedächtnis haften bleibt. Auch wenn Maria Schell (79), die lange schon an Altersschwäche litt, nun gestorben ist, wird das herzerwärmende Leuchten ihrer Augen - dank Kino und Fernsehen - überdauern. Sie lachte nicht nur mit dem Mund, sie lachte mit dem ganzen Körper, der dann eine unglaubliche Offenheit, ein inniges Zugehen auf ihr Gegenüber aussandte.

Die Schauspielerin wurde zum internationalen Star, ihre absolute Ehrlichkeit des Gefühls, die einmalig war, stumpfte dennoch nie zur Routine ab. Weder Hollywood noch Broadway, auch nicht der Umgang mit Größen wie Yul Brynner oder Gary Cooper trübten Schells Authentizität. Das fühlte das Publikum. Maria Schell war ihm nah, war keine Diva, deren Lächeln schön, aber unendlich distanziert wirkt. Von dieser Herzlichkeit, die nichts mit der Herzigkeit des "Seelchen"-Klischees zu tun hat, und der Intensität des Spiels ging viel Kraft aus - die viel Kraft forderte.<BR><BR>Maria Schell verstarb am Dienstagvormittag in ihrem Gehöft, das zur Kärntner Gemeinde Preitenegg gehört. Dort wird sie am kommenden Samstag beerdigt. Wegen einer schweren Lungenentzündung war sie am Karfreitag in ein Grazer Krankenhaus gekommen. Sie kehrte zwar in ihr Domizil zurück, erholte sich aber nicht mehr. <BR><BR>Geboren wurde Maria Schell am 15. Januar 1926 als Tochter der österreichischen Schauspielerin Margarete Noé von Nordberg und des Schweizer Schriftstellers Hermann Ferdinand Schell. Ab 1938 wuchs sie mit ihren Geschwistern Maximilian, Immy und Carl in der Schweiz auf. Schon als 16-Jährige spielte sie in Sigfrit Steiners Film "Der Steinbruch" (1942) die Hauptrolle. Ihre kaufmännische Ausbildung wurde auch später nie "gebraucht", denn die Schell war begehrt. Sie wurde Albert Bassermanns Gretchen im "Faust" und ging damit auf Europatournee, Will Quadfliegs Luise Millerin in "Kabale und Liebe"; aber eben auch die junge Ärztin in Helmut Käutners Anti-Kriegsfilm "Die letzte Brücke", eine Rolle, die ihr 1954 in Cannes die Goldene Palme eintrug. Auftakt zum internationalen Durchbruch. Unvergesslich "Die Brüder Karamasow", "Wem die Stunde schlägt" oder "Cimarron". <BR><BR>Im deutschsprachigen Raum wurde Maria Schell jedoch als "Seelchen" an der Seite von Dieter Borsche, O.W. Fischer oder sonstiger Herzensbrecher der 50er-Jahre geliebt. Acht Bambis heimste sie ein, musste allerdings ertragen, dass sie wie viele ihrer Generation von den jungen Filmemachern der 70er-Jahre verkannt wurde. In großen Produktionen konnte man sie immer weniger bewundern. Das Fernsehen wurde zur Ersatz-Spielstätte. Dort war sie zuletzt mit der Serie "Die glückliche Familie" präsent.<BR><BR>Präsent war die Künstlerin auch oft in den Klatschspalten. Kurze Ehe mit dem Regisseur Horst Hächler, mit dem sie Sohn Oliver hatte; 22 Jahre hielt die Beziehung zu Theatermacher Veit Relin (Tochter Marie-Theres). Berühmt die Liebesgeschichten und die seelischen und gesundheitlichen Abstürze. Allzu sehr wurden sie breit und dabei ein liebenswerter Mensch und eine herausragende Schauspielerin in den Schmutz getreten. In ihrem Bruder Maximilian hatte sie einen echten Beschützer, der ihr sogar ein sensibles Denkmal setzte in seinem Dokumentarfilm "Meine Schwester Maria" (2002; dazu gibt es auch ein Buch).<BR><BR>Dem Publikum aber bleibt das Herzens-Strahlen der Maria Schell. 

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