Anne Hathaway in der Rolle der schrillen Oberhexe.
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Sichtlich Freude hatte Anne Hathaway in der Rolle der schrillen Oberhexe – und genauso viel Freude macht es, ihr zuzuschauen.

Der starbesetzte „Hexen hexen“ ist eine erfreuliche Erfrischung im Fast-Food-Familienkino

„Hexen hexen“: Herzerwärmender Horrorspaß

  • vonMarco Schmidt
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Der Kinderbuch-Klassiker „Hexen hexen“ von Roald Dahl kommt jetzt starbesetzt auf die große Leinwand. Ein großes Vergnügen für die ganze Familie. Nicht nur an Halloween.

  • 1990 verfilmte bereits Nicolas Roeg das Buch von Roald Dahl
  • „Forrest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis führte Regie
  • Die Neuverfilmung ist ein knalliges Vergnügen

Wenn jemand versucht, eines der schwarzhumorigen Kinderbücher von Roald Dahl zu verfilmen, geht das meistens in irgendeine Hose: Entweder die kleinen Kinozuschauer bekommen wegen Dahls fieser, finsterer Fantasien einen Schock fürs Leben, oder die Erwachsenen maulen, weil die beißenden Boshaftigkeiten zu sehr glatt gebügelt wurden. Nicholas Roegs vollkommen wahnwitzige „Hexen hexen“-Adaption von 1990 mit der grandiosen Anjelica Huston als Oberhexe gilt heute zu Recht als Meilenstein und Kult-Klassiker, obwohl sie einerseits eine ganze Generation blutjunger Kinogänger traumatisiert und andererseits den ambivalenten Schluss des Romans durch ein weichgespültes Happy End ersetzt hat.

Der Film orientiert sich eng an der Buchvorlage

Nun, 30 Jahre später, ist Regisseur Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) mit seiner Neuverfilmung eine erstaunliche Gratwanderung geglückt. Er hat Dahls Ende beibehalten, sich überhaupt eng an der Buchvorlage orientiert, nur wenige Kanten abgeschliffen und die Geschichte von England in die US-Südstaaten verlegt. So erleben wir, wie ein afroamerikanischer Waisenjunge in den Sechzigerjahren in einem Hotel zufällig in eine Geheimversammlung von Hexen aus aller Welt gerät – und wie er gemeinsam mit seiner gutmütigen Großmutter versucht, einen perfiden Plan zu durchkreuzen: Die Hexen wollen nämlich mittels eines teuflischen Tranks alle Kinder in Mäuse verwandeln und ausrotten.

Zemeckis kann auf ein fabelhaftes Ensemble bauen, angeführt von Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer („The Help“): Als resolute Oma mit riesengroßem Herzen ist sie schlichtweg eine Wucht; sie verströmt wohlige Wärme auf der Leinwand und erdet das furchterregende Geschehen mit ihrem komödiantischen Talent. Wenn sie im Wohnzimmer zu fetzigen Motown-Hits abtanzt, ist das ebenso schon fast das Eintrittsgeld wert wie der hinreißende Auftritt von Stanley Tucci in der Rolle des snobistischen, pingeligen Hoteldirektors. Getoppt wird das nur noch von Anne Hathaway: Die Ex-Disney-Prinzessin, einst abgestempelt als rehäugige Niedlichkeit, verkörpert die Oberhexe irgendwo zwischen schriller Schickeria-Schnepfe, bizarrem Bond-Bösewicht und durchgeknallter Diktatorinnen-Diva – mit gewaltiger Gestik und abenteuerlichem Akzent. Sie hat sichtlich Spaß daran, die Sau rauszulassen, und es macht richtig Spaß, ihr dabei zuzusehen.

Besonders Kids werden den Gruselspaß lieben

Schon schön schaurig, wie sie plötzlich ihre Krallen und ihre Glatze entblößt, die sie sonst unter Handschuhen und einer Perücke verbirgt, oder wie sich ihre Nasenflügel zu gigantischen Nüstern aufblähen, sobald sie, von Ekel geschüttelt, eines der verhassten Kinder erschnüffelt. Aber ansonsten sind die computergenerierten Spezialeffekte allenfalls grundsolide, keineswegs bahnbrechend, und obwohl die Hexen fleißig ihre grausigen Zähne fletschen, bleibt der Film ziemlich zahnlos. Echte Magie will sich partout nicht einstellen – offenbar fehlten Zemeckis ein paar Zutaten zum Zaubertrank. Erwachsene Zuschauer mögen auch mäkeln, dass das ganze Spektakel arg knallig und kreischig geraten ist. Doch die Kids werden es lieben, vorausgesetzt natürlich, sie sind nicht allzu zartbesaitet. Für sie ist es ein reizvoller Einstieg in die Welt des gepflegten Gruselns. Eine erfreuliche Erfrischung im Fast-Food-Familienkino. Und ein herzerwärmender Horrorspaß – perfekt passend zu Halloween.

„Hexen hexen“
mit Anne Hathaway, Octavia Spencer, Stanley Tucci
Regie: Robert Zemeckis
Laufzeit: 105 Minuten
Sehenswert ****
Dieser Film könnte Ihnen und Ihren Kindern gefallen, wenn Sie die Verfilmung von 1990 nicht kennen oder zu verstörend fanden.

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