Himmel und Horror

- Sie ist nur ein Mädchen, aber Emily macht allen Angst. Den Eltern, dem Freund und auch dem Pfarrer, der dafür sorgen soll, dass sich niemand mehr vor Emily fürchtet. Denn sie sei von diversen Teufeln besessen, behauptet sie selber: Wenn Jennifer Carpenter in "Der Exorzismus der Emily Rose" diese Besessenheit darstellt, kann man es wirklich mit der Angst bekommen.

Ernsthafte Auseinandersetzung

Sie kreischt, faucht und starrt einen mit einem Blick an, der nicht von dieser Welt sein kann. Und das fast ohne Hilfe von Spezialeffekten oder spektakulärem Make-Up. Kein Vergleich mit den dicken Latex-Fratzen, die man der bedauernswerten Linda Blair für den Gruselklassiker "Der Exorzist" ins Gesicht schmierte, um sie möglichst 

dämonisch erscheinen zu lassen. Carpenter macht sozusagen alles in Handarbeit. Die groteske Mimik, die verstörenden Laute, die Verrenkungen, die nur beim Hinsehen Schmerzen verursachen.

Aber nur so konnte es gelingen, dem Ansatz des Films gerecht zu werden. "Der Exorzismus der Emily Rose" ist nicht als klassischer Horrorfilm angelegt, auch wenn er gekonnt Grauen einflößt. Es ist vielmehr eine Art theologische Abhandlung.

Regisseur Scott Derrickson und sein Co-Autor Paul Harris Boardman beschäftigen sich letztlich mit einem ebenso faszinierenden wie kontroversen Thema: Welche Rolle darf die Religion in einer Gesellschaft spielen, die ihre Werte aus dieser Religion bezieht? Emily nämlich glaubt, vom Teufel besessen zu sein, und ihr Pfarrer tut das auch. Deswegen wird ein Exorzismus eingeleitet, an dessen Ende Emily tot ist. Der Pfarrer (Tom Wilkinson mit einer bemerkenswerten Vorstellung) muss sich deshalb wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Der Film beruht auf einer wahren Geschichte, die sich 1976 in Bayern zugetragen hatte. Damals war eine 23-Jährige nach wochenlangen Dämonenaustreibungen durch den Geistlichen ihres Vertrauens aus dem Leben geschieden. Am Ende wog ihr ausgemergelter Körper 31 Kilo. Derrickson behandelt das Problem ernsthaft und nutzt die Situation einer Gerichtsverhandlung, um immer neue Varianten der Geschichten aufzuzeigen. Jeder Beteiligte schildert die Vorkommnisse anders, und bei jedem klingt es schlüssig.

So überlässt der Film es dem Zuschauer zu entscheiden, ob Emily vom Teufel besessen war oder einfach nur ein geistig schwer gestörtes Mädchen, dem man medizinisch fachgerecht hätte helfen müssen. In den Rückblenden erzeugt Derrickson virtuos und ohne allzu grelle Effekte Entsetzen, wenn er die Verwandlung eines netten Mädchens in ein unberechenbares Bündel negativer Energie zeigt. Seine Erfahrung als Horrorfilmer kommt ihm hier zugute. Im Grunde ist es nicht verblüffend, dass seine Sympathie erkennbar der übersinnlichen, also katholischen Variante gilt. Das mag manchen befremden, aber es wäre bei diesem Film unredlich und feige gewesen, sich vor einer Haltung zu drücken. Welches Urteil man sich bildet, bleibt schließlich jedem selber überlassen. (In München: Mathäser, Maxx, Marmorhaus, Cinema und Museum i.O.)

"Der Exorzismus

von Emily Rose"

mit Jennifer Carpenter, Laura

Linney, Tom Wilkinson

Regie: Scott Derickson

Sehenswert

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