Szene aus „Hinterdupfing“: Die Protagonisten waren mit dem Feuerwehrauto in einer Münchner Disco – auf dem Heimweg brauchen sie eine Pause.

„Hinterdupfing“ erobert die Großstadt

München - Hinterdupfing, ein kleiner Ort ganz groß: Wie ein mit viel Idealismus selbstproduzierter Film aus dem Chiemgau zum Kinorenner in ganz Bayern wurde.

Es geht also doch. Man braucht Ideen, Freunde, viele Bekannte, die einem mit Requisiten aushelfen, und Idealismus – dann schafft man’s auf die Leinwand. Das hat ein Team um den jungen Priener Andreas Schmidbauer nun erneut bewiesen. Schon zwei selbstproduzierte Filme hat der Freundes- und Verwandtenkreis, überwiegend Studenten und Polizisten aus dem Chiemgau, in die regionalen Kinos gebracht. Und das schlicht, indem die Beteiligten bei den Lichtspielhäusern anfragten, ob diese das Werk zeigen wollten. Mit dem dritten Film „Hinterdupfing“ ist ihnen nun ein Supercoup gelungen. Die Komödie läuft mittlerweile in ganz Bayern. Meist auf dem Land, doch nehmen immer mehr Städte die schrille Posse ins Programm. Ab sofort ist „Hinterdupfing“ auch im Münchner Cadillac-Kino (Rosenkavalierplatz 12) zu sehen.

Atmosphärisch knüpft das Werk an jenen liebenswert deftigen Humor an, der bei Marcus H. Rosenmüller ebenso funktioniert wie einst beim „Bullen von Tölz“. Mit dem Unterschied, dass „Hinterdupfing“ so gut wie kein Budget hatte und im Selbstverleih erschien. Die Komödie entstand im Chiemgau, an Orten wie Prien, Breitbrunn, Höslwang und am Samerberg; sie wurde komplett in der Freizeit gedreht und musste daher einige qualitative Abstriche hinnehmen: So ist die Kameraarbeit wunderbar, dafür lässt die Technik zu wünschen übrig. Die Darsteller sind alles Originale, doch wenige von ihnen haben diesen Beruf erlernt. Nur einzelne Rollen sind mit Profis wie Johanna Bittenbinder („Sau Nummer vier“) oder dem Nockherberg-Ude Uli Bauer besetzt – die machten aus Idealismus mit.

Im Drehbuch und in den selbstironischen Bildern finden sich viele wunderbare Details, doch werden diese oft von der holprigen Machart geschluckt. Das mag Fans des Hochglanzfilms stören. Es macht jedoch auch den Charme des Hinterwäldler-Schwanks aus. Der erzählt selbstironisch vom abgelegensten aller süddeutschen Dörfer und seiner Bewohner. Dort geht es zu wie in den kühnsten Albträumen über Bayern – aber eben auch wie in der Realität. Andreas Schmidbauer und seine Crew bringen ihre Gags mit so viel Herzblut rüber, dass man die zwei Stunden locker durchhält.

Katrin Hildebrand

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