Hitlers Revue

- Die Entstehungsgeschichte von "The Producers" hört sich wie eine erfundene Satire auf Hollywood an. Aus einem aberwitzigen, kaum beachteten Regie-Debüt eines Komikers wird Jahrzehnte später ein erfolgreiches Broadway-Musical, das wiederum in Hollywood verfilmt wird. Nun wird also noch einmal die Geschichte des Buchhalters Leo Bloom (Matthew Broderick) und des Theaterdirektors Max Bialystock (Nathan Lane) erzählt, die einen genialen Plan entwickeln, um an viel Geld zu kommen. Sie bringen das schlechteste Musical aller Zeiten auf die Bühne und machen sich nach dem vorhersehbaren Flop mit dem Geld der Investoren davon.

Die Wahl fällt auf "Frühling für Hitler", eine dämliche Lobpreisung der Nazi-Diktatur des Faschisten Franz Liebkind (Will Ferrell). Um sicher zu gehen, wird ein unfähiger Regisseur engagiert (Gary Beach mit einer wunderbar rücksichtslosen Tunten-Parodie) sowie eine garantiert talentfreie Haupt-darstellerin (Uma Thurman).

Aber die Führer-Revue entwickelt sich zum Hit. Je mehr die Produzenten das Stück verschandeln, desto besser läuft das Geschäft. Mel Brooks persifliert hier vor allem die Mechanismen des Showbusiness, aber er demaskiert auch intelligent die Nazi-Ideologie als bunte Travestie-Nummer, die die Massen mit stringenter Einfalt für sich gewinnt. Der Film überschlägt sich geradezu vor grotesken Einfällen, hinterhältigem Wortwitz und atemlosen Slapstick. Aber er verkommt dabei nicht zur Klamotte.

Das liegt nicht zuletzt an den Musical-Einlagen. Die sind hochprofessionell komponiert (übrigens von Brooks) und choreographiert. Die Idee, bis auf wenige Ausnahmen, das Original-Ensemble der Musical-Fassung zu engagieren, erweist sich als genialer Schachzug. Insbesondere Nathan Lane und Matthew Broderick spielen sich mit selten gesehener Leichtigkeit die Bälle zu. Wie Uma Thurman als tumbe schwedische Sexbombe das eigene Image persifliert und dabei die beste Leistung ihrer Karriere hinlegt, ist sensationell.

Übertroffen wird das nur noch von Will Ferrell, der als fanatischer Alt-Nazi wie entfesselt durch den Film tobt und dessen Brillanz letztlich nur in der englischen Originalversion ersichtlich wird, wenn er in erfundenem Deutsch-Radebrech geifert. Natürlich kann man über Geschmack streiten. Aber der Film ist umwerfend komisch und die beste Möglichkeit, eine menschenverachtende Ideologie zu demontieren.

(In München: Marmorhaus, Gabriel, Cinema i.O., Museum i.O.)

"The Producers"

mit Matthew Broderick, Nathan Lane

Regie: Mel Brooks

Hervorragend

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