Im Hobbykeller

- Hinterher ist man ein bisschen ratlos, nur eines steht fest: Dieser Film unterscheidet sich von allen anderen deutschen Produktionen der letzten Zeit. Regisseur Roland Reber erzählt eine eigenwillige Fabel aus dem kollektiven Hobbykeller dieses Landes. In dem leben die Menschen ihre Begierden, Sehnsüchte, Leidenschaften aus. Dramaturgischer Aufhänger ist das Treffen von Eva (Marina Anna Eich) und der Teilzeit-Domina Magdalena (Mira Gittner). Eva beginnt, unter fachkundiger Anleitung ihre eigene Sinnlichkeit und Sexualität zu erforschen. Dabei entdeckt sie zu ihrer Verblüffung, dass sehr viele biedere Zeitgenossen nach Feierabend den Sinn ihrer Existenz in exzessiv gelebtem Körperkontakt suchen.

Ohne Fördermittel auf eigene Faust gedreht, erfüllt "24/7 - The Passion of Life" weder formal noch technisch die Kriterien eines Kinofilms. Und so wirken die Szenen in den Sado-Maso-Studios und Swingerclubs steril, hölzern und trotz aller Freizügigkeit verklemmt. Was einen daran so fasziniert, ist der Verdacht, dass es tatsächlich so zugeht. Durchschnittsbürger, die sich treffen, um etwas Verruchtes zu tun - ein Kegelverein ohne Unterhosen sozusagen. Reber hat den Mut, seine Geschichte mit lyrischen Zwischenspielen zu brechen, in denen die Protagonisten über Tun und Motivation philosophieren. Da keimt sogar Humor auf. Aber der Grundtenor ist melancholisch. Die Suche nach echter Nähe, die immer erfolglos bleibt, die hilflose Hoffnung darauf, Sexualität und Liebe trennen zu können, die rastlose Flucht in immer neue Leiden, um die alten zu vergessen - das hat Reber gut eingefangen, auch wenn seine Reflexionen nicht immer ganz so tiefgründig sind, wie sie tun.

Ein sehenswerter Film, den man vielleicht nicht mögen muss, aber der einen immerhin zum Nachdenken bewegt. Allzu viele Filme, von denen man das ernsthaft behaupten könnte, gibt es nicht.

(In München: Museumslichtspiele.)

"24/7 - The Passion of Life"

mit Marina Anna Eich, Mira Gittner

Regie: Roland Reber

Sehenswert

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