Die Hölle, das ist Frankreich

"2 Tage in Paris": - "Machen die Franzosen Kondome für Kinder?" - wer wollte das nicht schon immer wissen? Und warum heißen hier Präsidentschaftskandidaten und Hamburger "Royal", obwohl das Land doch die Revolution erfunden hat? Haben Pariser Wohnungen eigentlich immer Schimmelbefall? Alles wichtige Fragen, oder nicht?

Geklärt werden sie jetzt von Julie Delpy. "2 Tage in Paris" heißt der zweite Spielfilm der Schauspielerin ("Homo Faber", "Drei Farben: Weiß"). Es ist ein kleiner Geniestreich, in dem Delpy eigentlich alles selber gemacht hat: das Drehbuch geschrieben, Regie geführt, den Film geschnitten. Und die Hauptrolle spielt die Schauspielerin, die im Alter von 14 Jahren in "Detective" von Godard debütierte, natürlich auch.

Ihr Film erzählt von einem jungen Paar, das einen zweitägigen Zwischenstopp in Paris macht, er ist Amerikaner, sie Französin. Alles ist sehr politisch unkorrekt, also lustig - eine Komödie zum Brüllen, eine überaus ironische Liebesgeschichte und ein cleverer Film über den Kulturclash zwischen Frankreich und den USA, old Europe und very old America. Ein Film, der so locker-luftig-unterhaltsam und zugleich intelligent daherkommt, wie man es nur aus Frankreich kennt.

Wer je den Fehler gemacht hat, Julie Delpy für eine jener Schauspielerinnen zu halten, die mangels beruflicher Auslastung auch noch singen, schreiben und jetzt eben einmal selber einen Film drehen, wird schon in den ersten Minuten eines Besseren belehrt.

Dass der Film am ehesten an eine der besseren Woody-Allen-Komödien erinnert, liegt nicht nur an spritzig-intelligenten Screwball-Dialogen, sondern auch an der Figur des Jack, einem New Yorker Hypochonder, den Adam Goldberg als jüngere Woody-Allen-Variante spielt. Mit seiner französischen Freundin Marion (Delpy) besucht er deren Hippie-Eltern. Die nehmen jedoch den Amerikaner nicht ernst, sondern behandeln ihn wie einen kulturlosen, oberflächlichen Yankee-Imperialisten. Zu allem Überfluss sieht sich Jack auch noch mit einer Kompanie von Ex-Lovern seiner Angebeteten konfrontiert, die nach wie vor nichts gegen ein Aufwärmen des Tête-à-têtes einzuwenden hätten. Faschistoide, fremdenfeindliche Taxifahrer machen ihm das Leben ebenso schwer wie seine stellenweise anstrengende Freundin, die dauernd fragt, ob ihr Hintern nicht vielleicht doch etwas zu dick sei.

Umgekehrt sieht Marion im Kontrast zu ihrer Heimat auch manche Eigenschaften ihres Freundes mit neuen, kritischeren Augen. Zumal er es ernst meint, wenn er verkündet: "In Frankreich ist ein bisschen Anal-Sex nebenbei wie ein Angeltrip oder eine Partie Scrabble."

Irgendwann trifft Jack dann in einem Hamburger-Fast-Food-Shop auch noch auf einen deutschen Veganer, gespielt von Daniel Brühl, der Anschläge auf Junk-Food-Ketten unternimmt. Spätestens dann ist sich dieser Amerikaner in Paris sicher: "Ich bin nicht in Paris, ich bin in der Hölle."

Fazit: "2 Tage in Paris" ist ebenso wie seine Regisseurin - ziemlich witzig, unglaublich schnell und überdies auch noch schön anzusehen. (In München: Filmcasino, Monopol OmU, Atlantis OmU, City.)

"2 Tage in Paris"

mit Julie Delpy, Adam Godberg, Daniel Brühl

Regie: Julie Delpy

Hervorragend ***** 

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