Hoffnung weiße Pumps

- Die Sonne scheint, eine leichte Brise sorgt für Abkühlung der zur Schau gestellten Blößen am Strand, am Hafen dümpelt eine blank geschrubbte Luxusjacht neben der anderen: Die äußeren Bedingungen für das Filmfestival in Cannes sind optimal. Nach der selbst von der französischen Presse verrissenen "Panne" mit dem allzu leicht gewichtigen Eröffnungsfilm "Fanfan, der Husar" kommen die Festspiele langsam in Fahrt.

<P>Mit ihren altmodischen Hackenschuhen würde die junge Afghanin Noqreh in Cannes nur abschätzige Blicke ernten. Aber in Kabul nach dem Sturz der Taliban bedeuten die weißen Pumps für sie Hoffnung auf ein neues, anderes Leben. Dass aber mit dem Ende des Krieges das "alte Denken" und die Probleme in Afghanistan längst nicht verschwunden sind, macht die Iranerin Samira Makhmalbaf in dem Wettbewerbsbeitrag "A cinq heures de l/aprè`s-midi" (Fünf Uhr nachmittags) beeindruckend deutlich. Die erst 23-jährige Regisseurin aus Teheran tritt in die Fußstapfen ihres filmenden Vaters Mohsen Makhmalbaf und überzeugt mit einer sensiblen, engagierten Geschichte. Ihr Film ist die erste Kinoproduktion, die nach dem Krieg in Afghanistan gedreht wurde.</P><P>"Ich will das Klischeebild des von den USA befreiten Afghanistan korrigieren", sagte Samira Makhmalbaf in Cannes. "Die Probleme dort sind nicht gelöst, weder für Frauen und Kinder, noch für Flüchtlinge und Vertriebene." In den Ruinen von Kabul zeigt Mahkmalbaf die junge Frau Noqreh, die erst nach dem Sturz der Taliban eine Schule besuchen darf. Dort steht auch Demokratie auf dem Lehrplan. Der Gedanke, zur Präsidentin gewählt werden zu können, lässt das Mädchen nicht los. Doch zwischen neuen Chancen, Wahlrecht und Stöckelschuhen und den alten Traditionen mit Burka und absolutem Gehorsam ist ein Weg nur schwer auszumachen.</P><P>Makhmalbaf findet sehr schöne Bilder für die Hoffnungen der Frau und die engen Grenzen, die ihr gesetzt sind. "Die Taliban existieren in den Köpfen weiter", erklärte die Regisseurin. "Und jede fanatische Regierung ist eigentlich wie die Taliban. Angesichts der Situation in den USA ist auch George Bush ein Taliban."</P><P>Die Wahrheit der Songs</P><P>Auf die Spuren des Blues begibt sich Wim Wenders mit seinem halb dokumentarischen Musikfilm "The Soul Of A Man", der in Cannes außerhalb des Wettbewerbs läuft. Der Regisseur kann dabei aber nicht an die Stimmung und Intensität seines internationalen Erfolgs "Buena Vista Social Club" anknüpfen. Wenders hat drei seiner Lieblings-Bluesmusiker, hochbetagte Herren, vor die Kamera geholt und verfolgt die Stationen ihres Lebens zurück. Archivmaterial, moderne Coverversionen der alten Songs und Wenders' eigene sentimentale Erinnerungen fügen sich nicht nahtlos zu einer musikalisch-filmischen Komposition zusammen.</P><P>"The Soul Of A Man" ist der erste Teil einer auf sieben Filme angelegten "Blues"-Reihe, die der amerikanische Regisseur Martin Scorsese initiiert hat. Auch Clint Eastwood, Mike Figgis und Scorsese selbst tragen den Blues dabei ins Kino. "Diese Songs bedeuteten die Welt für mich", begründete Wenders sein tiefes Gefühl für die Musik. "Ich habe gefühlt, dass in ihnen mehr Wahrheit war als in jedem Buch, dass ich über Amerika gelesen, oder in jedem Film, den ich gesehen habe."</P>

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