Hollywood ist ein Biest

- "In meinen Rollen kann ich meine Aggressionen rauslassen, mich gut abreagieren." Wer Halle Berry und ihre Arbeit in den letzten Jahren beobachtet hat, kann an der Wahrheit dieser Aussage nicht zweifeln. Immer sind es starke Figuren, die sie spielt, oft sind sie in Gefahr, in jeder Hinsicht muss Halle Berry vollen Einsatz bringen. Ab kommenden Dienstag springt die charismatische Darstellerin als "Catwoman" auf der Jagd nach dem Bösen über die Dächer und von hohen Häusern.

Früher war sie schon "Storm", ein Mitglied der "X-Men", ebenfalls die Verfilmung einer Comic-Superhelden-Story. Im letzten James-Bond-Abenteuer spielte sie eine Agentin. Den größten Ruhm brachte ihr aber die Rolle in Marc Forsters "Monster's Ball": Als Witwe eines Hingerichteten, die sich in dessen weißen Henker verliebt, brach sie Tabus und Rassenschranken. Die leidenschaftlichen Sexszenen des Films waren skandalträchtig und doch so aufrichtig und berührend wie der Rest des Films. <BR><BR>Der Oscar für Halle Berry war nur verdient; überraschend kam er trotzdem, denn Berry gewann als erste Schwarze überhaupt, und ist seitdem die erfolgreichste nicht-weiße Darstellerin der Filmgeschichte. Zum Abreagieren hat sie offenbar nach wie vor Grund genug. "Natürlich ist ,Catwoman ein Sommer-Popcorn-Film, aber für mich ist er noch weit mehr: ein kleiner Schritt vorwärts für Frauen in der Filmindustrie, erst recht für eine Farbige." Von ihrem Geschlecht wie von ihrer Hautfarbe muss man in diesem Fall so deutlich reden, denn selbst wenn Berry zu den Erfolgreichen der US-Filmbranche gehört, ist auch sie noch immer alltäglichem Rassismus und Benachteiligungen ausgesetzt. Auch weiße Frauen - allenfalls Jodie Foster, Nicole Kidman oder Sandra Bullock - schaffen in Hollywood nur selten, was Berry schon mehrfach scheinbar spielend gelang: an erster Stelle auf der Darstellerliste im Abspann aufzutauchen. <BR><BR>Man kann nur ahnen, wie viel Anstrengung und erlebte Demütigung tatsächlich dahinter stecken: "Ich musste immer kämpfen, vielleicht fiel mir das als schwarze Frau leichter als anderen." Mit 17 hatte die 1966 geborene Berry als Model begonnen. Als Schauspielerin erlebte sie später lange Durststrecken - obwohl ihr Spike Lee 1991 eine erste Rolle gab, sie einmal an der Seite Warren Beattys auftrat, war es alles andere als eine Bilderbuchkarriere. "Hollywood ist ein Biest, das man nicht kontrollieren kann", resümiert sie diese Erfahrungen. Der Durchbruch kam 1999 durch einen TV-Zweiteiler: "Introducing Dorothy Dandridge" erzählte von der berühmten schwarzen Hollywood-Diva, die als erste versucht hatte, gegen die Rassenschranken der Filmbranche zu rebellieren - und die daran kläglich zugrunde ging. In "Catwoman" sieht man Berry jetzt gemeinsam mit Sharon Stone, auch einer, der nichts geschenkt wurde und die erst vergleichsweise spät zu Ruhm kam. Die Szenen, in denen die zwei, eine kalte, böse Femme fatale und die Heldin, ein zwielichtiges Zwitterwesen aus Mensch und Katze, aufeinander losgehen, sind große Kino-Oper. <BR><BR>"Es wurde Zeit für einen weiblichen Superhelden", beschreibt Berry diese Figur, jederzeit sich sehr bewusst, dass sie erst nach Nicole Kidmans Absage als zweite Wahl geholt wurde, zugleich aber, dass in der Figur der Domina, der Schwarzen, der Frau und des Raubtiers gleich mehrere Männerfantasien verschmelzen. Dabei nimmt man ihr die Lust daran ab, im hautengen Lederkostüm herumzulaufen und mit der Peitsche die Männer zu verdreschen. Auf manche wirkt Halle Berry heute kühl, und nicht wenige zweifelten nach der Oscar-Verleihung, ob ihre Tränen damals echt waren. <BR><BR>Aber dieser Eindruck liegt wohl eher daran, dass man es mit einem absoluten Profi zu tun hat, einer, die gelernt hat, keine Fehler zu machen und artig darüber zu reden, dass "sexy Aussehen von innen kommt", dass ihr Menschen "Leid tun, die versuchen, ewig jung zu bleiben und Schönheitsoperationen machen lassen". Einer, die so aussieht, wie Halle Berry, glaubt man auch das sofort. <BR>

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