Hollywood-Parodie aus der Traumfabrik

- Seit seiner Geburt hat das Kino so manche Varianten erlebt. Aber im Grunde lässt sich jede auf zwei Grundtypen zurückführen: Das Kino der Illusion und das Kino der Dokumentation, die Traum- und die Wahrheitsfabrik. Dass der Animationsfilm "Shrek 2" ganz und gar zur ersten Gruppe gehört, daran besteht schon nach wenigen Sekunden kein Zweifel. Eine Kunstfigur, eine Kunstwelt. Und was für eine. Es dreht sich um einen Oger, ein quietschgrünes Waldwesen mit Trompetenohren namens Shrek. Im ersten "Shrek" eroberte er die Prinzessin Fiona. Nun ist das Glück gefährdet, denn die Eltern der Prinzessin sind gar nicht froh über die Hochzeit.

<P>Das alles spielt im Königreich Far Far Away, das nicht zufällig einer auf Mittelalter gestylten Welt von Hollywood und von George W. Bush ähnlich sieht - ein Trickfilm-Neuschwanstein, leider nicht so versponnen wie das Schloss des Märchenkönigs. Auch hier gibt es Starbucks und McDonalds, nur heißen sie ein bisschen anders. Von den ersten Augenblicken an parodiert "Shrek" die Filmwelt. Besonders lustig ist das im englischen Original, denn da sind es nicht irgendwelche deutschen No-Names, sondern Stars wie Cameron Diaz, Eddie Murphy (wie in Teil 1 als Esel), Rupert Everett oder Antonio Banderas (als Gestiefelter Kater mit Latino-Akzent), die den Figuren ihre Stimme leihen. Diese sind dafür mit Anspielungen auf ihre Sprecher gespickt.<BR><BR>Das ist alles einfallsreich und charmant, überaus albern. "Shrek" ist genau das, wovon die Möchtegern-Filmindustrie hierzulande am liebsten träumt. Reine Unterhaltung, genauer: Unterhaltung um ihrer selbst willen. Es stimmt schon - der Film parodiert die Klischees der Filmindustrie. Darin, wie er das tut, ist er aber eben eine Feier, keine Kritik Hollywoods. Das ist nicht nur erwartbar, sondern mehr als legitim. Aber eben auch ein aseptisches Industrieprodukt, wie es bisher wenige gegeben hat. Dafür sorgt die Animationstechnik von Dreamworks. Sie ist so perfekt wie kalt, sie stellt Wirklichkeit verfälscht nach, erfindet aber keineswegs eine neue. </P><P>So gibt es eine eindimensionale Happy-End-Versöhnung. Damit gleicht "Shrek" dem Mittelmaß Hollywoods, nicht seiner besseren Hälfte, in der Biedersinn mindestens ein wenig gebrochen wird. Ja, "Shrek" ist lustig. Sehr lustig manchmal. Aber wenn man jederzeit spürt, dass man hier und genau hier lachen soll, kann einem dieses Lachen auch schnell vergehen. </P><P>"Shrek 2"<BR>Regie: Andrew Adamson, Kelly<BR>Asbury, Conrad Vernon<BR>Annehmbar</P>

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