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„I Love You Phillip Morris" mit Ewan McGregor (li.) und Jim Carrey startet am Donnerstag im Kino.

Homosexualität im Kino: Es geht um Liebe

München - Lange war es in den prüden USA undenkbar, doch jetzt setzt Hollywood verstärkt auf Homosexualität als Filmstoff. Am Donnerstag startet „I Love You Phillip Morris" in den Kinos.

Der Film ist eine weitere Großproduktion mit schwulen Helden, gespielt von Jim Carrey und Ewan McGregor. Was führte in der Traumfabrik zum Sinneswandel?

Nicht nur Jim Carrey und Ewan McGregor sind diese Woche in „I Love You Phillip Morris" als schwules Pärchen zu sehen - auch der distinguierte Brite Colin Firth gibt seit zwei Wochen in „A Single Man" den Homosexuellen. Bald wird Edelmimin Julianne Moore in „The Kids Are Alright" als lesbische Mutter auftreten und Mädchenschwarm Robert Pattinson dreht gerade einen Film über die homosexuellen Eskapaden des jungen Salvador Dali. Schwules Kino scheint also ein Trend zu sein, oder?

Nicht ganz. Denn bereits seit dem phänomenalen Erfolg von „Brokeback Mountain" vor fünf Jahren ist Homosexualität im großen Mainstream-Film normal. Für Stars ist es kein Berufsrisiko mehr, sich auf der Leinwand einmal gleichgeschlechtlich zu engagieren. Die Zuschauer haben sich daran gewöhnt, dass sich gelegentlich Männer küssen. Und die Filme behandeln das Thema differenzierter und pendeln nicht mehr zwischen hysterischer Larmoyanz oder schrillem Witz.

Es wurde auch Zeit. Denn die Zuschauer wurden in den Jahren davor oft genug mit bleiern selbstgefälligem Gut-gemeint-Kino überflutet. Viele Regisseure fanden es originell, die eigene sexuelle Orientierung in den Mittelpunkt ihres Schaffens zu stellen und sich am vermeintlich befreienden Tabubruch zu delektieren. Nur war das im 21. Jahrhundert etwas albern, schließlich ist die Situation - zumindest im Westen - heute anders als in den Anfangstagen des politisch engagierten Kinos der Sechziger. Je besser die Lage für Homosexuelle im wahren Leben wurde, desto schlechter schienen die Filme zu werden. Es gab natürlich Ausnahmen. Aber lange kam keine deutsche Komödie ohne lustigen besten schwulen Freund der Heldin aus. Und jene, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigten, verloren sich in belehrendem, ödem Nischenkino.

Doch ein wichtiger Komplex sollte keine Ausrede für schlechtes Handwerk oder Langeweile sein. Die Kehrtwende brachte ausgerechnet eine verheerende Krankheit: Als im Showgeschäft immer mehr Künstler an Aids starben, wurde Homosexualität Thema. Denn anfangs waren fast ausschließlich Schwule betroffen - und bei vielen war ihr Tod gleichzeitig tragisches Coming Out. Hollywood, das Homosexualität bis dahin vor allem in Genrefilmen wie Horrorschockern verzerrt dargestellt hatte (insbesondere lesbische Vampirinnen hatten es den Produzenten angetan), reagierte geschockt.

Mit einem Mal war gleichgeschlechtliche Liebe nicht mehr nur Gegenstand unabhängig produzierter Kunstfilme. Oscar-Regisseur Jonathan Demme brachte Superstar Tom Hanks 1993 dazu, in „Philadelphia" einen an Aids erkrankten Schwulen zu spielen. Der Film wurde ein Hit - allerdings war er bewusst dezent inszeniert, um niemanden zu verstören. Antonio Banderas durfte als Lover nur einmal keusch die Hand von Hanks küssen. Dennoch markiert der Film einen Wendepunkt: Immer öfter tauchten jetzt bekannte Gesichter in schwulen Rollen auf. Doch allzu intime Szenen wurden nach wie vor gemieden. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass sich Hollywood auch bei heterosexuellen Liebesszenen schwertut. Abgeschossene Gliedmaßen oder explodierende Köpfe sind in den USA kein Problem - eine entblößte Brust erschüttert aber die Nation. Erst als sich Jake Gyllenhaal und Heath Ledger in „Brokeback Mountain" küssten, war der Bann gebrochen. Als Regisseur Ang Lee den Oscar für diesen Film bekam, sagte er: „Dies ist kein Film über Homosexuelle, sondern über die Liebe."

Seither werden Homosexuelle im Film seltener verklärt oder verdammt, sondern als Menschen mit alltäglichen Problemen gezeigt. Und letztlich gilt: Es gibt nur gute oder schlechte Filme.

Zoran Gojic

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