Mit Horror und Humor

- Kaum zu glauben, dass er schon 70 wird. Noch immer hat sich Roman Polanski etwas Jugendliches bewahrt. Wer den Regisseur 1999 auf dem Münchner Filmfest erlebte, erinnert sich an seinen Witz zugleich an seine fast kindliche Aufgeregtheit, ein nervöses Erschrecken angesichts der Fans.

<P> "Ich bin noch nicht fertig", betonte er damals im Gespräch, "ich habe bisher noch keinen Film gemacht, den ich ganz als meinen Film empfinde, meinen ,Moby Dick". Humor und Horror, diese Paarung gilt für sein Werk. Dass er nicht alles so ernst meine, dass Humor "die helle Seite meiner Filme" sei, darauf wies er nachdrücklich hin. Noch seinem letzten Film, "Der Pianist", kann man das ansehen: Im besetzten Warschau zeigt er den versteckten Wladyslaw Szpilman und seinen potenziellen Mörder in einer chaplinesken Szene, in der der halb tote Pianist versucht, eine Gurkendose mit einem Schürhaken zu öffnen. "Aber die dunkle Seite gehört untrennbar zum Menschen. Sie fasziniert mich." <BR><BR>Polanski ist ein Regisseur, der eher den Teufel sucht als Gott: "Ich denke, dass Religion generell viel Unheil über die Menschen gebracht hat." Egal, ob das Ergebnis die Gestalt einer grotesken Komödie hat wie "Tanz der Vampire" (1967) oder die einer einfühlsam-surrealen Schizophreniestudie wie "Ekel" (1965), fast immer mutet er dem Publikum die Begegnung mit Übernatürlichem zu. Indem er es zeigt, verwandelt er das Jenseitige, vor allem Böse, in reale Erfahrung: Polanski hat dies "Kino der reinen Evidenz" genannt - die Dinge bedeuten sich selbst, sind keine Metapher. </P><P>So gesehen, besteht kein Unterschied zwischen den absurden und den realistischen Werken wie dem Neo-Noir "Chinatown" (1974) oder dem Folterdrama "Der Tod und das Mädchen" (1994): "Ich will einfach, dass der Zuschauer bei nichts sicher ist. Das ist das Interessante: die Unsicherheit." Seine frühen Filme entwerfen Topografien der Einsamkeit: "Messer im Wasser" (1963), "Wenn Katelbach kommt . . ." (1966) und noch sein "Macbeth" (1971).<BR><BR>Gleich zweimal handeln Polanskis Filme direkt vom Herrn der Finsternis: der unterschätzte Thriller "Die neun Pforten" (1999) und Polanskis größter Publikumserfolg "Rosemarys Baby" (1968). Kurz danach holte der Horror Polanski ein: Mit der Ermordung seiner hochschwangeren Frau Sharon Tate durch die "Manson Family" 1969. Vieles spricht dafür, dass Polanski dieses Erlebnis bis heute nicht wirklich verwunden, nur überlebt hat. Aber vielleicht ist seine ganze Kunst ein solcher Kampf ums Überleben. </P><P>Denn Polanski, 1933 als Sohn polnischer Juden in Paris geboren, entkam als Kind dem Krakauer Getto, musste aber die Familie zurücklassen. Später musste er aus den USA fliehen nach bis heute unbewiesenen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs. Bis hin zum "Pianisten" ist Polanskis Werk von Anteilnahme ebenso geprägt wie von Distanz zu allen Erlösungsangeboten. <BR></P>

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