Horror auf Schwäbisch

- Zögerlich wurde dieser Film entdeckt. Doch zuletzt lief er in Toronto, jetzt zeigt man ihn gerade beim Sundance-Festival - ein kleiner, stiller Erfolg des deutschen Kinos neben den lauten Prestigefilmen. "Der Wald vor lauter Bäumen" ist die Abschlussarbeit von Maren Ade an der Münchner Filmhochschule.

<P>Im Zentrum steht eine junge Lehrerin, die aus ihrer schwäbischen Provinz-Heimat nach Karlsruhe zieht, um dort in einer Schule ihre erste Stelle anzutreten. Auch privat ist dies ein Neuanfang, denn ihren Freund hat sie gerade verlassen. Man beobachtet sie bei ihren ersten Gehversuchen in der neuen Umgebung. Das beginnt lustig, nicht nur weil Melanie Pröschle unglaublich stark schwäbelt, sondern weil es immer wieder zu kleinen, zunächst amüsanten Peinlichkeiten kommt, weil die Unbeholfenheit der Frau bei allem Nervtötenden etwas Liebenswertes hat, die Melanie selbst noch mit gewissem Humor abfängt. Wird schon, sagt der Zuschauer innerlich. Aber es wird nichts. Ganz zögerlich wird ihr Optimismus penetrant, die Naivität aufdringlich, enthüllt sich die Tragödie hinter der unauffälligen Fassade. Eine Außenseiterin, die zunehmend vereinsamt, und skurrile, ja kranke Seiten entwickelt. Niemand interessiert sich für sie.<BR><BR>Maren Ade ist damit ein sehr gegenwärtiger Horrorfilm gelungen, der auf Monster gut verzichten kann. Stilistisch kristallklar erinnert er in seiner Präzision an das österreichische Gegenwartskino. Doch Ades Blick ist etwas weniger boshaft. Was den Eindruck ähnlich gnadenlos macht, ist die Hauptfigur. Hauptdarstellerin Eva Löbau gelingt in dieser Rolle eine bewundernswerte Leistung. Weitab von allen Stereotypen, ohne Sentimentalitäten ist Ade eine wunderbare menschliche Komödie voller Tiefe gelungen, bei der dem Zuschauer das Lachen immer wieder vergeht. Einer der besten deutschen Filme seit langem! </P><P>(In München: Rottmann.)<BR><BR>"Der Wald vor lauter Bäumen"<BR>mit Eva Löbau<BR>Regie: Maren Ade<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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