Huren-Kitsch

- Welcher Mann hätte davon noch nie geträumt: Die schönste und begehrteste Prostituierte der Stadt verliebt sich in ihn und macht "es" umsonst. Nun, Träume sind das eine, doch wenn man aus ihnen einen Film macht, sollte schon etwas mehr dahinter sein. Stellenweise hat der neue Filme von Altmeister Bertrand Blier tatsächlich jenen typisch französischen Charme einer Mixtur aus knisternder Erotik, geschliffenen Dialogen und federleicht verpacktem Tiefsinn.

Daniela (Monica Bellucci) arbeitet im Pigalle, das heute längst den letzten Rest seiner Aura aus der Belle Epoque eingebüßt hat. Blier ignoriert das und zeigt, als hätte er von entsprechenden Klischees noch nie gehört, wohlwollende Puffmütter und putzige Lolitas, die noch in ihrer Geldgier Verführungskunst entfalten: ein Huren-Panorama, das zumindest den Voyeurismus der männlichen Publikumshälfte wunderbar bedient. Daniela ist unter diesem Ensemble die verständnisvolle Hure, die "eigentlich" zu ganz anderem bestimmt ist und die wahre Liebe sucht. Die begegnet ihr in Gestalt von François (Bernard Campan), der vielleicht todkrank ist oder einfach nur sein Geld möglichst schnell durchbringen will. Aus dem Engagement der käuflichen Dame wird schnell Liebe, doch da ist noch Charly (Gérard Depardieu), Danielas Zuhälter.

Blier gelingt es nach zehn Jahren Filmpause nicht, an seine absurden Komödien früherer Jahre anzuknüpfen. Stattdessen wirkt "Wie sehr liebst Du mich" über weite Strecken einfach zu langweilig - wie eine verschmockte Altherrenfantasie. Die Charaktere sind flach, die Dialoge bleiben plattitüdenhaft. Nicht jeder Traum ist es wert, erzählt zu werden. (Ab morgen in München: City, ABC, Gabriel, Cinema und Museum i.O.)

"Wie sehr liebst Du mich?"

mit Monica Bellucci,

Bernard Campan

Regie: Bertrand Blier

Erträglich **

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