"Ich will mehr arbeiten"

- Er war ein Superstar. Danach verschwand er freiwillig völlig aus der Öffentlichkeit - fast wie jener scheue Millionär namens Bruce Wayne alias Batman. Ihn hatte der Schauspieler Michael Keaton in Tim Burtons ersten beiden Filmen über den Superhelden 1989 und 1992 verkörpert und war in der Rolle zum Weltstar geworden.

Seit zehn Jahren hat Keaton aber nur noch wenige Filme gedreht; neben einem Auftritt in Quentin Tarantinos "Jackie Brown" und Steven Soderberghs "Out of Sight" fast ausnahmslos kleine Independent-Werke, die bei uns nie ins Kino kamen. Jetzt kommt er zurück: mit der Hauptrolle in einem Film, wie er massentauglicher und hollywoodartiger kaum sein kann. "Herbie Full Loaded" - er läuft morgen an - heißt das Werk, das noch einem anderen vergessenen Kinostar zu einem zweiten Leinwandleben verhilft: dem VW-Käfer mit Seele, der in den 60ern und 70ern in mehreren Filmen im Zentrum stand.

Wenige wissen, dass Sie eigentlich Michael Douglas heißen.

Keaton: Oh ja. Als ich mich bei der Schauspieler-Gewerkschaft anmeldete, gab es schon einen Michael Douglas. Sie haben mir gesagt, ich müsse meinen Namen ändern, so seien die Vorschriften. Tja, Pech gehabt. Dabei ist Michael Douglas noch nicht einmal sein richtiger Name. Das hat mich enttäuscht - ich mag meinen Namen.

Wer war Ihr Vorbild für den neuen Namen? Buster Keaton?

Keaton: Den mag ich riesig, aber nein - auch nicht Diane Keaton. Es gibt keine interessante Geschichte dazu, glauben Sie mir. Keaton klang gut; ich dachte, ich könne ihn rückgängig machen. Ich habe mir gewünscht, meinen eignen Namen zu behalten.

Was bringt Sie nach Jahren wieder ins Kino zurück? Und warum ausgerechnet mit "Herbie"?

Keaton: Ich habe immer wieder gedreht. Das Script jetzt fand ich gut geschrieben. Ich wollte wieder einmal einen Film für die ganze Familie machen. Ich traf mich mit der Regisseurin Angela Robinson, und sie war sehr sympathisch und kompetent.

Können Sie etwas mit den alten "Herbie"-Filmen anfangen?

Keaton: Ich habe keinen einzigen je gesehen. Der neue ist gut gemacht. Mir gefällt, dass es um einen Menschen geht, der tut, was er tun muss, dass Loyalität und Familie wichtig sind.

Es heißt, Sie hätten sich ganz bewusst von Hollywood ferngehalten.

Keaton: Nein, nein. Ich habe nichts gegen Hollywood. Ich war vielleicht nicht so daran interessiert, wie ich es hätte sein sollen. Und ich mochte das, was ich als Schauspieler zuletzt leisten musste, nicht. Ich hatte auch einfach andere Dinge im Leben vor. Wenn man mir ein wirklich, wirklich gutes Script vorgelegt hätte, dann hätte ich natürlich zugegriffen. Aber ich bekam nichts, was ich nicht schon vorher gemacht hatte. Erst wenn in einem Drehbuch eine Figur vorkommt, die ich noch nicht gespielt habe, dann reizt mich das.

Hat sich Ihr Verhältnis zur Schauspielerei über die Jahre verändert?

Keaton: Es verändert sich von Film zu Film. Ich habe gelernt, mich zurückzunehmen, versuche nicht mehr, so betont zu spielen. Das ist die Gefahr bei diesem Beruf. Wenn ich mir meine Arbeit ansehe, dann denke ich manchmal: Oh je, da habe ich viel zu sehr auf die Tube gedrückt. Manche mögen das, aber ich bin selbstkritisch.

Nehmen Sie die Arbeit heute weniger ernst?

Keaton: Ich nehme die ganze Filmbranche weniger ernst. Aber die Schauspielerei nehme ich wieder ernster. Es gab eine Zeit, da habe ich mir weniger Mühe gegeben. Aber jetzt will ich mehr arbeiten und bin so genau und fleißig, wie früher.

Verfolgen Sie eigentlich das gegenwärtige Kino?

Keaton: Ich boykottiere nichts. Aber ja: Es interessiert mich auch nicht besonders.

Haben Sie noch Kontakt zu den Regisseuren, mit denen Sie früher gearbeitet haben: Tim Burton, Steven Soderbergh?

Keaton: Nein. Ich glaube, niemand hat Kontakt zu irgendjemandem. Das stellen sich Außenstehende zwar ganz anders vor. Ich habe auch ein paar Freunde in der Branche. Doch die Zeit vergeht, man ruft dann länger nicht an, und irgendwann ist es auch egal.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland.

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