Interview mit Florian Bartholomäi

„Ich wollte nicht Schauspieler werden“

München - Der Schauspieler Florian Bartholomäi über sein Leben in Belgrad, seinen neuen Film „Rubinrot“, seine Rollen-Auswahl und seine Eltern:

Er kommt direkt vom Flughafen, aus Belgrad. Dort lebt Florian Bartholomäi seit einem knappen Jahr. Einfach, weil er diese Stadt genauer kennenlernen wollte, erklärt der 26-Jährige. „Viele Freunde sind nach dem Abitur ein Jahr weg gewesen. Das wollte ich auch gerne machen, kam aber diverser Dreharbeiten wegen nicht dazu. Jetzt passte es zeitlich, und daher wollte ich mir einfach einmal gönnen, etwas von der Welt zu sehen.“ Vor der Kamera stand der Schauspieler dennoch – etwa für „Rubinrot“, der am Donnerstag in die Kinos kommt.

-Warum sind Sie ausgerechnet nach Belgrad gezogen?

Der Konflikt um den Kosovo ist immer noch nicht gelöst. Außerdem ist Serbien das einzige Land in der Region, das nicht in der EU ist. Das verändert auch vieles. Ich wollte einfach mal einen genaueren Blick auf diese Gegend werfen, die ich immer nur aus den Nachrichten kannte. Über die politische Lage dort sollen andere Menschen sprechen, nicht ich. Ich hatte einfach nur Interesse daran, mir alles einmal anzusehen. Was macht ein Bürgerkrieg mit einem Land? Wie ist die Stimmung da, wie geht man mit dem Vergangenen um?

-Wie gehen die Menschen miteinander um?

Die Jüngeren sind ganz entspannt. Es ist eigentlich ähnlich wie hier. Alle jungen Leute, die ich bisher kennengelernt habe, hatten es irgendwie geschafft, um den Kriegsdienst herumzukommen. Doch bei den etwas Älteren bemerkt man schon, dass es noch sehr viel Unaufgeräumtes gibt, was sich nicht innerhalb einer Generation bewältigen oder sogar vergessen lässt.

-Wie verständigen Sie sich?

Ich verstehe relativ viel und kann Smalltalk führen. Der Rest funktioniert eben auf Englisch. Ich habe da auch nicht allzu viel Arbeit hineingesteckt. Mein Ziel war nicht, ein Jahr lang Serbokroatisch zu lernen, sondern meine Zeit so konstruktiv wie möglich zu verbringen, wie ich das sonst zwischen Drehs auch mache: Ich versuche, an manchen Punkten weiterzukommen. Mache Sport. Sehe mir Filme an. Lese. Lerne und mache einfach Dinge, zu denen man während der Arbeit nicht kommt.

-„Rubinrot“ als Teenie-Film scheint nicht zu Ihren bisherigen Arbeiten zu passen. Man kennt Sie eher aus ernsthaften Dramen...

Ich war ja selber auch mal Teenager und fand diese Filme damals richtig toll. Daher dachte ich, es wäre schön, in so einer Produktion dabei zu sein. Als mir die Rolle des Paul de Villiers angetragen wurde, habe ich erst einmal Drehbuch und Roman gelesen. Die Geschichte hat mich überzeugt. Ich finde sie sehr stimmig und halte das Drehbuch für sehr gelungen. Es ist schließlich nicht einfach, einen Roman mit so vielen Verflechtungen sinnvoll in zwei Stunden Film zu fassen. Außerdem fand ich den Zeitreise-Aspekt schön. Ich drehe sonst überwiegend Dramen, da freut man sich, ein Abenteuer verfilmen zu dürfen. Das macht einfach Spaß: Kostüme, Fechten, Reiten. Vieles davon wird man aber erst im zweiten oder dritten Teil sehen.

-Die Fortsetzungsromane „Smaragdgrün“ und „Saphirblau“ sollen also auch verfilmt werden?

Ich hoffe doch sehr!

-Ihre jetzt noch als Nebenrolle angelegte Figur wird dann zur zweiten männlichen Hauptrolle?

Ja, genau. Das ist toll. Denn man hat dann mehr Zeit, seine Rolle auszumalen. Ich bin schon gespannt darauf, wie der Roman zum Drehbuch umgestaltet wird.

-Haben Sie Kriterien für die Auswahl Ihrer Rollen?

Man definiert es immer wieder neu. Die ganz jungen Rollen, die möchte ich nicht mehr spielen. Da bin ich rausgewachsen. Mittlerweile wäre es wirklich unglaubwürdig, wenn ich noch einen Schüler spielen würde. Außerdem muss man sich mit seinen Rollen auch weiterentwickeln, und da bremst es, wenn man immer wieder das Gleiche spielen soll. Auch wenn das wirklich gute Sachen waren, bin ich eisern geblieben. Es ist nicht gut, wenn man nicht weiterkommt mit seinen Rollen.

-Wohin möchten Sie denn kommen?

Na ja, man hat eine persönliche Entwicklung, und die läuft parallel zu den Rollen, die man spielt. Da gucke ich schon, was gibt es eigentlich noch für spannende Konflikte – und danach suche ich mir mittlerweile die Rollen aus.

-Sind Sie tatsächlich ein reiner Autodidakt?

Nicht ganz. Inzwischen hatte ich schon eine Zeit lang mal einen privaten Coach, mit dem ich mich auf ein paar Rollen vorbereitet habe. Da wusste ich, ich komme hier an Grenzen, da schaffe ich es nicht ohne Hilfe drüber. Dann habe ich natürlich viele Bücher gelesen über die verschiedenen Ansätze, Szenenanalyse und so weiter. Letztlich ist es ja viel Handwerk. Wenn man einen schlechten Tag hat, dann ist das schließlich keine Entschuldigung dafür, dass man seinen Beruf gerade nicht ausüben kann. Natürlich lernt man viel bei der Arbeit und schafft sich seinen eigenen Baukasten aus Gefühlen. Das braucht man schon. Aber eine längere Ausbildung an einer Schule habe ich nicht gemacht.

-Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Ich wollte das nicht werden. Ich bin da wirklich reingerutscht und hatte mit elf Jahren absolut nicht vor, Schauspieler zu werden oder was Kollegen immer so erzählen.

-Ach was! Das passiert einem doch nicht einfach!

Zu einem einzigen Casting bin ich gegangen. Davon habe ich zufällig in meinem Sportverein mitbekommen, als man für den Kinofilm „Kombat 16“ einen Darsteller suchte, der Taekwondo konnte. Anschließend habe ich einen „Tatort“ gedreht, dann andere Sachen, und irgendwann habe ich gemerkt, das macht mir wirklich Spaß. Das ist nicht mehr nur nebenbei auf dem Weg woanders hin, das ist es jetzt.

-Daraufhin sind Sie nach Berlin gezogen.

Genau. Größenwahnsinnig war das. Keine Ausbildung, Schule abgebrochen, aber mal nach Berlin ziehen. Meine armen Eltern... (Lacht.)

-Gab’s zuhause Ärger?

Nein. Eigentlich nicht. Die haben gesagt: „Mach das.“

-Gute Eltern...

Ja, wirklich. Gute Eltern. Das rechne ich ihnen hoch an. Dass sie den Mund gehalten haben und anfangs nicht gesagt haben: „Aber was, wenn nicht...“ Dann kam ein Film dazu, dann noch einer, und dann war’s auf einmal mein Beruf.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

Darum geht es in „Rubinrot“

Die 16-jährige Schülerin Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) entdeckt eines Tages zufällig, dass sie durch die Zeit reisen kann – wie auch einige andere Mitglieder ihrer Familie. „Rubinrot“ ist der erste Teil der erfolgreichen Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“ von Kerstin Gier, die sich mit „Saphirblau“ fortsetzt und in „Smaragdgrün“ ein spannendes Finale findet. Felix Fuchssteiner führte Regie in der ersten Adaption rund um die schlagfertige Gwendolyn, den unnahbaren jungen Helden Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner), eine jahrhundertealte Geheimloge und jede Menge Familienrätsel. Die Filmkritik lesen Sie am Donnerstag.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare