„Ich wünsche dir ein schönes Leben“: Ounie Lecomtes Porträt berührt spät

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Eine Frau will mehr über die leibliche Mutter ihres Adoptivsohnes erfahren – davon handelt der Kinofilm „Ich wünsche dir ein schönes Leben“. Hier lesen Sie unsere Kritik.

Die Physiotherapeutin Elisa (Céline Sallette), einst bei Adoptiveltern aufgewachsen, jetzt Anfang 30 und alleinerziehende Mutter, kehrt mit ihrem zehnjährigen Sohn zurück in ihren Geburtsort Dünkirchen. Dort erhofft sie sich Antworten auf quälende Fragen: Wer ist ihre leibliche Mutter? Warum hat sie sie zur Adoption freigegeben? Und warum weigert sie sich bis heute, ihre Identität zu offenbaren? Eine ihrer Patientinnen entwickelt zu Elisa eine eigenartig intime Beziehung: Annette (Anne Benoît), das Faktotum der Schule, das von allen Schülern gehänselt wird – besonders von Elisas Sohn.

Die Handlung ist arg konstruiert, zu sehr auf Zufälle aufgebaut

Filmemachen als Therapie? Koautorin und Regisseurin Ounie Lecomte war selbst ein Adoptivkind; wie schon ihr autobiografisch gefärbtes Regiedebüt „Ein ganz neues Leben“ kreist nun auch ihr zweiter Spielfilm um dieses Thema. Dass man als Zuschauer viel früher als die Protagonistin erfährt, wer die leibliche Mutter ist, trägt ebenso wenig zum Spannungsaufbau bei wie die nüchterne, langsame Erzählweise. Lange sehen wir Elisa zu, wie sie stumm ihrer physiotherapeutischen Arbeit nachgeht; dazwischen gibt es Bilder vom tristen Alltag in der nordfranzösischen Industriestadt. Die Handlung ist arg konstruiert, zu sehr auf Zufälle aufgebaut und unnötig melodramatisch zugespitzt.

Sprödes Frauenportrait mit wenigen berührenden Szenen 

Auch die Figuren machen uns den Zugang nicht leicht: Die schroffe, unnahbare Elisa und die engstirnige, schwerfällige Annette wirken verkorkst und verschlossen; ihr Verhalten ist bisweilen schwer nachvollziehbar. Trotzdem entwickelt man allmählich Verständnis für beide – dank der hervorragenden Darstellerinnen, der nuancierten Inszenierung und der einfühlsamen Aufnahmen von Kamerafrau Caroline Champetier („Hannah Arendt“), die meisterhaft mit Schärfeverlagerungen und Unschärfen arbeitet. So bietet dieses spröde, aber feinfühlige Frauenporträt letztlich doch ein paar berührende Szenen, die die Frage aufwerfen, inwieweit uns unsere Wurzeln prägen. Warum zum Teufel sind wir so, wie wir sind? Eine interessante Problematik – nicht nur für Adoptivkinder.

Rubriklistenbild: © Verleih

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