Kinotrailer und Filmkritik

Ästhetik verschluckt "Ida"

München - Schönheit ist nicht alles. Etwas mehr Feuer hätte Pawel Pawlikowskis "Ida" nicht geschadet, deren Geschichte von der Ästhetik verschluckt wird.

Die Bilder sind perfekt. Das Grau passt zu den abgeblätterten Bauten des polnischen Nonnenklosters und zum Winter. Und es passt zum tristen Thema von Pawel Pawlikowskis Drama. Jede einzelne Szene ist fein komponiert. Egal ob eine Gruppe von Schwestern eine Jesusfigur durchs Kloster trägt oder zwei Frauen im Auto am schwarz-weißen Wald vorüberzuckeln: alles formschön, erhaben.

Schönheit genügt allerdings nicht, einen Film zum Kunstwerk zu erheben. Dazu braucht es ein Thema – und eine gewisse Raffinesse, die Form und Inhalt so kühn verquickt, dass diese einander zu hymnischen Höhenflügen anstacheln. Das gelingt Pawel Pawlikowski mit „Ida“ nicht. Die Geschichte der Novizin Anna (Agata Trzebuchowska), die kurz vor ihrem Gelübde erfährt, dass sie Jüdin ist und ihre Eltern während des Zweiten Weltkriegs ermordet wurden, birgt zwar viele große Themen: die Shoah, Christen- versus Judentum, die Frage nach Identität und Lebensentwurf.

Die Tragik und Konflikte, die daraus erwachsen könnten, verhindert der Regisseur jedoch durch seinen Ästhetizismus, der alles verschluckt, sowie durch eine kühle Distanz, die alles Geschehen ins Beiläufige, ja schließlich ins Langweilige verkehrt. Etwas mehr Feuer hätte nicht geschadet.

kat

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