Idaho liegt in Rumänien

- Til Schweiger (43) ist nach einigen Jahren des Pendelns zwischen Hollywood und Deutschland dauerhaft zurückgekehrt. Als Produzent hat er nun "One Way" realisiert und mit amerikanischen Schauspielern in Deutschland gedreht. Die Hauptrolle hat er sich selber vorbehalten. Er spielt einen erfolgreichen Werbeagenten, der nach einer Affäre alles tut, um seine Karriere zu retten und sich dabei immer tiefer in kriminelle Machenschaften verstrickt.

Sie sind Produzent und Hauptdarsteller. Welche Rolle ist Ihnen lieber?

Schweiger: Wohler fühle ich mich hinter der Kamera. Schauspielen macht mir immer noch viel Spaß. Na ja, nicht immer. Es gab Filme, bei denen ich von vornherein wusste: Das musst du jetzt eben machen, um Geld zu verdienen, das ist dein Beruf.

Haben sich die Kriterien bei der Rollenwahl im Laufe der Zeit verändert?

Schweiger: Ich hab‘ mal gesagt, ich mache keine Actionfilme mehr, jetzt habe ich wieder welche gemacht... Man sagt so Sachen und widerlegt sich dann selber. Es gibt Rollen, die würde ich nicht spielen. Einen Vergewaltiger oder einen Kinderschänder oder einen Nazi. Ich übernehme gerne einen fiktiven Bösewicht wie in "Lara Croft" oder in einem Ritterfilm wie "King Arthur". Aber ich spiele keinen Nazi, auch nicht für zehn Millionen Gage.

War das der Grund, warum Sie damals Steven Spielberg für "Der Soldat James Ryan" abgesagt haben?

Schweiger: Auf der einen Seite wollte ich unbedingt mit Spielberg drehen. Auf der anderen Seite mochte ich diese Rolle nicht. Die Botschaft dieser Rolle war: Rette einem Deutschen das Leben, und als Dank bringt er den Helden um. Das wollte ich nicht darstellen. Ich habe die Entscheidung nicht bereut.

"One Way" spielt in den USA, aber gedreht haben Sie zum Großteil in Nordrhein-Westfalen. Weshalb?

Schweiger: Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen fördert dich nur, wenn du dort drehst und Geld ausgibst. Das ist ja eigentlich eine Wirtschafts- und keine Kulturförderung, und das ist auch sinnvoll. Es bringt Arbeitsplätze und Geld ins Bundesland. Und es ist viel billiger als in den USA. Die lagern doch selber aus, das habe ich ja am eigenen Leib erfahren. Du drehst Hollywood-Filme und bist ständig in Europa. Idaho liegt dann in Rumänien. Es wird immer weniger in Los Angeles gemacht. Da habe ich mir gesagt: Du kannst genauso gut nach Deutschland zurückgehen.

Gab es trotz dieser Erfahrung etwas, das Ihnen in Los Angeles besser gefallen hat als in Deutschland?

Schweiger: Das Wetter. Es klingt banal, aber es ist so. In Kalifornien wachst du auf, die Sonne strahlt, und dir geht es sofort gut. Unterschätzen Sie das nicht. Und natürlich beeindruckt das positive Denken in den USA. Wenn man ein teures Auto fährt, streckt der Typ neben dir an der Ampel anerkennend seinen Daumen nach oben ­ der will das auch schaffen. Hier versuchen sie dir noch schnell, den Lack zu zerkratzen. Das ist einfach der Unterschied.

Hier machen Sie es sich ja nicht leicht: Sie drehen nur Kinofilme, obwohl es lukrative TV-Angebote gibt. Wie lange kann man das durchhalten?

Schweiger: Wird man sehen. Im Moment kann ich es mir leisten. Das ist keine Entscheidung gegen das Fernsehen, ich hatte schon tolle TV-Projekte auf meinem Schreibtisch. Die traurige Wahrheit ist, dass die besten Sachen in Deutschland nur im Fernsehen zu realisieren sind. Aber für mich zählt die Liebe zum Kino ­ das heißt nicht, dass ich nicht wieder irgendwann Fernsehen mache. Aber die Vorstellung, dass Menschen ins Kino gehen, um gemeinsam deinen Film auf der großen Leinwand anzusehen, ist für mich einfach ein magischer Gedanke.

Sie wurden anfangs als Schönling belächelt ­ - fühlen sie nach gut 20 Jahren im Geschäft Respekt?

Schweiger: Es gibt einfach Leute, für die kann ich zehn Purzelbäume schlagen, und die sagen immer: "Ach, Til Schweiger, der kann nicht spielen, und seine Filme sind Scheiße." Das wird sich wohl nie ändern. Wichtig ist mir der Respekt von Kollegen, ich habe den Respekt der Branche. Es gibt viele Journalisten, die erkennen das an, was ich mache. Aber es gibt auch viele, die mich nicht respektieren. Das ist immer so im Leben. (Pause.) Das war das weise Schlusswort.

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