Illusionen verkaufen

- Ein Film wie ein Zaubertrick ­ passend zum Sujet. Es geht um Magier, Menschen, die so tun, als könnten sie etwas, was sie natürlich nicht können. Betrug könnte man das nennen, aber die Menschen wollen betrogen werden. Vor 100 Jahren waren Zauberkünstler das, was Filmemacher heute sind: Gaukler, die davon leben, Illusionen zu verkaufen. Darum geht es in "The Prestige" von Christopher Nolan vor allem.

Berückend detailgetreu taucht er in eine vergangene Epoche ein und erzählt von zwei rivalisierenden Magiern in London. Angier (Hugh Jackman) und Borden (Christian Bale) sind beide Stars ihrer Zunft, beide gönnen sich den Erfolg nicht. Die Fehde wird beide schließlich ins Verderben reißen. Als Anfänger haben sie zusammen gearbeitet, aber ein Unglück auf offener Bühne macht sie zu Todfeinden. Angiers Frau ertrinkt bei einem missglückten Trick. Fortan sabotieren sie sich gegenseitig. Jeder will den anderen nicht nur übertrumpfen, sondern nach Möglichkeit demütigen. Als Borden mit einer spektakulären Nummer ganz London in seinen Bann zieht ­ er scheint an zwei Orten gleichzeitig sein zu können ­, ist Angier verzweifelt. Er will unbedingt hinter das Geheimnis kommen und opfert dafür sogar seine Geliebte ( Scarlett Johansson), die er als Spionin beim \x0fRivalen einschleust.

Zerstörerischer Ehrgeiz

Der irrationale, destruktive Zweikampf zweier zwanghafter Erfolgsmänner ist die Triebfeder des Films, aber nicht sein Trick, um im Jargon zu bleiben. Der Coup des Films ist eine fantastische Maschine, die Angier beim Wunderphysiker Nikola Tesla (David Bowie sieht dem historischen Vorbild verblüffend ähnlich) in Auftrag gibt. Dieser Apparat soll ihn in Bruchteilen einer Sekunde von einem Ort zum anderen transportieren. Es funktioniert, aber Angier muss dafür sein Leben aufs Spiel setzen. Nolan gelingt hier das Kunststück, eine völlig absurde Maschine, die so gar nicht ins sorgfältig ausgestattete Ambiente seines historischen Streifzugs passt, in den Film zu integrieren. Denn ohne diese Maschine gibt es keine Geschichte, wie sich herausstellen wird. Nolan benutzt diesen technischen Budenzauber ­ ganz wie ein Magier ­ als Ablenkungsmanöver, um den Zuschauer dann am Ende mit einer haarsträubenden Pointe zu verblüffen.

Hinter der Fassade eines handwerklich makellosen Thrillers besticht "The Prestige" aber vor allem als luzider Blick auf die Unterhaltungsindustrie. Wie Michael Caine, der hier wieder mit unwiderstehlicher Souveränität den weisen Mentor gibt, einmal erklärt, geht es im Showgeschäft nur um den Eindruck beim Zuschauer. Etwas anderes zu glauben, ist für den Künstler gefährlich. Angier versteht ihn nicht und will wie besessen das Geheimnis seines Konkurrenten lüften, obwohl er selber einen vergleichbar guten Trick erarbeitet hat. Er zahlt einen hohen Preis dafür.

Eine melancholische Abhandlung über das zwiespältige Gefühl, für etwas gefeiert zu werden, was nicht real ist. Und ein suggestives Werk über die Macht der Illusion, das sich nicht nur auf die Kunst der Magie beschränkt. (Ab morgen in München: Mathäser, Münchner Freiheit, Maxx, Cinema i.O.)

"Prestige ­ Meister der Magie"

mit Hugh Jackman, Christian Bale

Regie: Christopher Nolan

Sehenswert

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