Illustrierte Geschichte

- 1975 veröffentlichte Imre Kertész seinen "Roman eines Schicksallosen". In dem autobiografischen Buch erzählt er, wie er als 14-jähriger ungarischer Jude ins Konzentrationslager deportiert wurde. Das Besondere dieses Buches liegt darin, dass es in strenger Ich-Perspektive zu einem Großteil vom Weiterwirken des Lagers nach der Befreiung erzählt. Es zeigt, wie die Hölle aus dem Alltag nicht mehr zu tilgen ist. Kertész berichtet sogar - lange ein Tabubruch - von Sehnsucht nach der Sicherheit der KZ-Strukturen, weil die Welt schal und ungreifbar geworden ist. Und von Momenten des Glücks, die es auch in Auschwitz gegeben hat.

<P>Gerade davon darf und kann freilich nur einer sprechen, der es selbst erlebt hat. Weil dies Kertész gelang, ist der Roman Weltliteratur, der Autor erhielt später sogar den Nobelpreis. Zugleich ist solches besonders schwer verfilmbar, weil es hierin um innere Erfahrungen geht, die, so scheint es, nicht durch schlichtes Abbilden vermittelbar sind. Der Mensch, den man auf der Leinwand sieht, ist eigentlich immer ein anderer, und der Ausweg, den die meisten Filme für dieses Dilemma suchen, ist, dass sie die Identifikation nicht zwischen Zuschauer und Darsteller, sondern zwischen Zuschauer und Kamera nahe legen. Solche komplizierten Fragen sind Lajos Koltais Sache nicht. Berühmt geworden als Kameramann, scheint er sich in seiner Kertész-Verfilmung "Fateless" vor allem auf Fragen der Ausstattung und der Lichtsetzung konzentriert zu haben. Was ihm nicht gelingt, ist mehr zu tun, als die Geschichte nur zu illustrieren.<BR><BR>Koltai verzichtet auf Verfremdungen, mit denen Spielberg und Schlöndorff gearbeitet haben, er verzichtet auch auf Übersteigerungen ins Absurde, wie man sie bei Polanski oder Benigni finden kann. Bei ihm sieht alles so glatt aus, als ob der Regisseur den Schrecken genießt, weil er ihm Gelegenheit zu schönen Bildern gibt. So kann man, wenn überhaupt, Western drehen. Und nicht zufällig darf Italo-Komponist Ennio Morricone seine Mundharmonika-Schmalzsauce hier über ein Konzentrationslager gießen. Was wiederum den Eindruck verstärkt, dass "Fateless" seinem Gegenstand nicht gewachsen ist. </P><P>(In München: Maxx, Arri, Gloria.)<BR><BR>"Fateless"<BR>mit Marcell Nagy, Andras<BR>M. Kecskes<BR>Regie: Lajos Koltai<BR>Erträglich </P><P> </P>

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