Unglaublich komisch!

"Inherent Vice": Joaquin Phoenix im Delirium

"Inherent Vice" von Paul Thomas Anderson ist surreal, unlogisch – und unglaublich komisch. Sehen Sie hier den Kinotrailer zur Komödie von Paul Thomas Anderson.

Es gibt Filme, in denen geht es nicht nur um Drogen, sie entlassen den Zuschauer auch benebelt. Wer bei „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ zweieinhalb Stunden lang in Joaquin Phoenix’ verhangene Augen schaut und versucht, den aberwitzigen Dialogen zu folgen, verlässt das Kino entweder selig-entrückt oder schwer genervt. Paul Thomas Anderson dürfte mit seiner Romanverfilmung voller Stars das Publikum spalten.

Ein fiktiver Küstenort in Kalifornien, 1970. Larry „Doc“ Sportello, dauerbekiffter Privatermittler ohne sichtbaren Ehrgeiz, aber mit beeindruckendem Backenbart, hat plötzlich drei Fälle zu lösen. Seine Exfreundin sorgt sich um ihren Liebhaber, einen steinreichen Immobilienhai. Ein Schwarzer sucht einen Neonazi, der ihm aus der gemeinsamen Zeit im Knast Geld schuldet. Und eine ehemalige Heroinsüchtige sucht ihren angeblich toten Mann (Owen Wilson), der sich bald als sehr lebendig entpuppt.

Natürlich hängen alle Fälle irgendwie zusammen. Um sie zu lösen, muss Doc sich mit einem sadistischen Polizisten (Josh Brolin), einem Muskelpaket mit Hakenkreuz-Tattoo und einem Zahnarzt auf Koks herumschlagen. Hilfe kommt von seinem Anwalt (Benicio Del Toro), den er nicht bezahlt und der keine Ahnung von Strafrecht hat, und einer Polizistin (Reese Witherspoon), mit der Doc nebenbei auch schläft. Wer genau verstehen will, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, muss sich den Film zweimal anschauen. Geklärt ist am Ende zwar nichts, aber das erwartet nach reihenweise absurden Begebenheiten und ins Leere gelaufenen Dialogen sowieso keiner mehr.

Regisseur Anderson hat sich ziemlich genau an die Romanvorlage von Thomas Pynchon gehalten. „Inherent Vice“ (zu Deutsch: eingebauter oder auch verborgener Mangel) ist surreal, immer wieder unglaublich komisch und polarisierend. Freunde einer logischen Handlung werden mit diesem Film noir sicher nicht glücklich, auf Twitter ist dokumentiert, dass in den USA einige erbost die Kinos verließen. Wer sich auf ein bisschen filmisches Delirium einlassen kann, wird dagegen großes Vergnügen haben.

Teresa Dapp

„Inherent Vice“

mit Reese Witherspoon, Joaquin Phoenix

Regie: Paul Thomas Anderson

Laufzeit: 148 Minuten

Rubriklistenbild: © 2014 Warner Bros./dpa

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