+
Sie haben definitiv Glück im Spiel: Heather Graham und Filmpartner Ed Helms in „Hangover“.

Interview mit Heather Graham zum Filmstart

Hollywoodstar Heather Graham spricht im Interview über ihren neuen Film „Hangover“, Schönheitswahn und den Sinn ihrer Meditation.

Blonde Mähne, blaue Augen, waffenscheinpflichtiges Dekolletee: So begrüßt uns Hollywoodstar Heather Graham in einer Hotelsuite in Marrakesch. Sie hat sich schon in Schale geworfen für die große Abschlussgala des Filmfestivals, bei der sie die Darstellerpreise überreichen soll. Es scheint, als hätte sie entweder einen Pakt mit dem Teufel oder mit einer verdammt guten Kosmetikfirma geschlossen: Im kommenden Jahr wird sie 40, doch sie sieht nicht älter aus als 25. Nur ihr Lachen stört ein wenig den Gesamteindruck – es klingt wie eine bekiffte Bergziege.

-Ihr neuer Film „Hangover“, der am Donnerstag startet, handelt von einer Junggesellenabschiedsparty in Las Vegas, die völlig aus dem Ruder läuft. Haben Sie selbst auch mal einen so wilden Polterabend erlebt?

Ja. Der Polterabend meiner besten Freundin war ähnlich bizarr. Drei ihrer Freundinnen haben so heftig gesoffen, dass sie reihum ins Waschbecken gekotzt haben. Irgendwann tauchte die Polizei auf und wollte einige Partygäste festnehmen, aber die Braut brüllte: „Finger weg! Verpisst euch! Sonst verklage ich euch! Ich bin Anwältin!“ Dabei steckte sie damals noch mitten im Jurastudium! Hehehe!

-In „Hangover“ stellt der Freund des Bräutigams am nächsten Morgen fest, dass er beim Polterabend im Suff offenbar eine Stripperin geheiratet hat. Sie spielen diese Dame, eine Art Hure mit Herz...

Ja, ich liebe diese Filmfigur sehr: Sie ist eine fröhliche, warmherzige, schrullige Hippie-Stripperin mit einer spirituellen Einstellung zum Sex. Zur Vorbereitung auf die Rolle habe ich extra einen speziellen Stangentanz-Kurs absolviert – er nannte sich „Der Arschfaktor“. Kein Witz! Hehehe!

-Im Film stillt diese Stripperin ihr Baby...

Ja, und es war die Hölle, diese Szene zu drehen! Die Mutter des Kindes sagte zu mir: „Seien Sie vorsichtig. Mein Baby zahnt gerade. Ich kann Ihnen also nicht versprechen, dass es Sie nicht beißen wird. Es hasst jeden außer mir.“ Dann drückte sie mir das Kind in die Hand, und es schrie drei Stunden lang. Wenigstens hat es mich nicht gebissen!

-Man sieht auch, wie dieses Baby masturbiert. Der ganze Film ist voll von frivolen, politisch unkorrekten Gags. Hatten Sie keine Probleme damit?

Nein, im Gegenteil: Ich liebe so etwas! Ich finde, Sex ist eine sehr witzige Angelegenheit. Über Sex sollte man lachen können! Ich erzähle gern schmutzige Witze. Und ich liebe es, vor der Kamera einen Orgasmus vorzutäuschen. Ich würde wahnsinnig gern mal eine Sexkomödie aus weiblicher Sicht drehen. Bislang dürfen sich Männer auf der Leinwand viel mehr schweinische Sachen erlauben als Frauen: Für mein Geschlecht gelten in Hollywood-Komödien immer noch gewisse sexuelle Grenzen. Ich fände es toll, wenn ich diese Schranken endlich einreißen könnte! Hehehe!

-Spüren Sie als Frau in Hollywood auch den Druck, immer gut aussehen zu müssen?

Ja, klar. Zum Glück bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem ich über Schönheitsoperationen nachdenken müsste – allein die Vorstellung lässt mich schaudern. Ich finde es viel schöner, wenn Menschen auf natürliche Weise altern, anstatt seltsame Dinge mit sich machen zu lassen und wie eine Vogelscheuche zu enden. Abgesehen davon koche und esse ich gern. Ich halte auch keine Diät, sondern versuche nur, mich bei den Nachspeisen ein bisschen zu bremsen.

-Wie halten Sie sich fit?

Ich mache viel Yoga. Und ich meditiere, seitdem mir Regisseur David Lynch bei den Dreharbeiten zu seiner Serie „Twin Peaks“ von transzendentaler Meditation vorgeschwärmt hat. Da geht es darum, in die tieferen Schichten des Gehirns vorzudringen.

-Und? Wie weit sind Sie schon vorgedrungen?

Ich bin zumindest wesentlich glücklicher als zuvor und kann das Leben mehr genießen. Das ist doch schon mal nicht schlecht, oder?

-Werden Sie in Los Angeles erkannt, wenn Sie zum Einkaufen gehen?

Meine Einkäufe besorgt meine Assistentin. Abgesehen davon kann ich mich ziemlich ungestört bewegen: Hin und wieder werde ich von Fotografen gejagt, aber das hält sich in Grenzen. Wenn mich Leute erkennen, sind sie meistens sehr nett zu mir. Nur einmal haben mich Fans vom Flughafen bis nach Hause verfolgt und dabei ständig gefilmt. Das war gruselig!

-Wen würden Sie gern mal zum Abendessen einladen? Und was würden Sie kochen?

Hmm. Kochen würde ich vermutlich einen Seebarsch mit Haselnusskruste und einer Honig-Pfeffer-Zitronensauce. Und einladen? Hmm. Barack Obama vielleicht. Oder Bono von U2. Ich mag Leute, die versuchen, die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Leute, von denen ich lernen kann, ein besserer Mensch zu werden. Ha, jetzt weiß ich’s: Ich würde Susan Sarandon einladen. Sie ist mein großes Vorbild. Gerne wäre ich wie sie!

Interview: Marco Schmidt

Auch interessant

Kommentare