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Erzebet (Julie Delpy) und Istvan (Daniel Brühl) begegnen sich im Kinofilm "Die Gräfin" zum ersten Mal.

Interview zum Filmstart

"Als Frau war man mit 40 erledigt"

München - Die Regisseurin, Schauspielerin und Autorin Julie Delpy über ihren Film "Die Gräfin" und die Sucht nach ewiger Jugend Dracula war eine Frau. Jetzt wissen wir es. Dank Julie Delpy.

Die Französin grub für "Die Gräfin", ihre zweite Arbeit als Regisseurin startet am Donnerstag in den Kinos, die Biografie der ungarischen Adeligen Erzebet Bathory aus, die im 17. Jahrhundert dem Wahn verfiel, durch Baden in Jungfrauen-Blut könne sie ewige Jugend erringen.

Wie kommt man auf diese ungewöhnlich düstere Geschichte?

Die Idee hatte ich schon vor langem. Seitdem habe ich immer mal wieder am Drehbuch geschrieben. Mich haben zwei Aspekte besonders fasziniert: Zum einen das dunkle Geheimnis, das diese Frau umgibt. Zum anderen gefällt mir dieses Dorian-Gray-ähnliche Thema der Sucht nach ewiger Jugend. Der Wunsch danach ist bis heute nicht schwächer geworden.

Den aktuellen Schönheitswahn hätte man auch in zeitgenössisch darstellen können.

Ja. Und es wäre sicher kostengünstiger geworden! (lacht) Aber ich wollte durch diese andere Zeit einen distanzierten, sachlichen Blick versuchen. Mein Film will ja kein historisch genauer Kostümfilm sein, sondern vielmehr wie ein Theaterstück ein Problem aufwerfen und variieren.

Natürlich basiert der Film auf historischen Fakten, die ich recherchiert habe. Aber abgesehen von den Männern, die sie umgaben, ihren Taten und ihrem Ende habe ich einiges hinzugefügt, was mir diese Erzebet Bathory erst plausibel macht. Die Liebesgeschichte zum Beispiel ist quasi meine "französische" Sicht auf sie. Ich finde, als Autorin und Regisseurin habe ich das Recht, die Charaktere zu interpretieren. Zumindest, solange mir jemand Geld dafür gibt.

Gab es damals, lange vor Werbespots und Magazinen, tatsächlich schon diese Besessenheit, nicht altern zu wollen?

Damals war man als Frau mit 40 Jahren praktisch erledigt. Kein Thema mehr. Zu alt zu allem. Jugend und Schönheit bestimmten schon im Mittelalter den Wert einer Frau. Das Aussehen galt immer als Symbol für Energie, Kraft und vor allem auch Macht. Nur wenigen Frauen wie der englischen Königin Elizabeth gelang es damals, auch im Alter respektiert zu werden. Dafür musste sie allerdings über Leichen gehen.

Ist Ihr Film eine Kampfansage gegen den Botox-Wahn?

Ich habe es noch nicht angewandt und werde es auch in Zukunft garantiert nicht tun. Es ist doch absolut in Ordnung , alt zu werden. Seitdem ich vor kurzem Mutter wurde, empfinde ich es noch viel stärker als selbstverständlich, Teil eines natürlichen Kreislaufs zu sein, in dem man nicht ständig eingreifen sollte. Allerdings war mir mein Aussehen auch früher nie wahnsinnig wichtig.

Die meisten Ihrer Kolleginnen sehen das anders.

Ja, das ist schlimm. Aber es ist ein schwieriges Thema. Ich möchte niemanden verurteilen. Schließlich ist das Aussehen in unserer Branche sehr wichtig. Ich werde immer ganz traurig, wenn ich sehe, dass es wieder eine getan hat.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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