+
Eine Art „moralischer Kompass“ sei sein Banker Sam, sagt Kevin Spacey, der ihn in dem Thriller „Der große Crash“ spielt.

Interview mit Kevin Spacey: Macht Geld glücklich?

München - Kevin Spacey spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über seinen neuen Film „Der große Crash“, seine Theaterarbeit und die Frage, ob Geld glücklich macht.

Vor acht Jahren hat Kevin Spacey die Leitung des ehrwürdigen Londoner Theaters Old Vic übernommen. Seither nimmt der zweifache Oscar-Preisträger nur noch sporadisch Filmangebote an. Nach seinem Auftritt als fieser Chef in „Kill The Boss“ ist der 52-jährige Charakterdarsteller von Donnerstag an als moralisch zerrissener Banker in dem Wall-Street-Thriller „Der große Crash“ zu sehen.

Was hat Sie dazu bewogen, bei diesem Erstlingsfilm mitzuwirken?

Vor allem das unglaublich gut geschriebene Drehbuch. Ich fand es faszinierend, die Finanzkrise mal aus Sicht derer zu zeigen, die sie ausgelöst haben. Ihr Berufsstand ist ja lange Zeit pauschal verteufelt worden – man macht es sich aber zu einfach, wenn man denkt, alle Banker seien geldgierige Monster. Viele von ihnen sind ganz normale Leute, die Angst um ihre Jobs haben und Anweisungen befolgen müssen.

Heißt das, Sie sehen sie eher als Opfer?

Ich sehe sie als Menschen. Wir alle sind doch komplexe Wesen: Jeder von uns macht Fehler, und jeder hat irgendwo Dreck am Stecken. Die Welt ist nun mal nicht schwarz-weiß. Und mein Beruf hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass er mir dabei hilft, Vorurteile abzubauen: Denn meine Aufgabe als Schauspieler ist es ja, mich in die verschiedensten Charaktere hineinzuversetzen – und zu versuchen, ihre Beweggründe zu verstehen. Da zeigt man nicht mehr so leichtfertig mit dem Finger auf andere.

Sie spielen hier ausnahmsweise keine extrovertierte Figur…

Ja, ich war froh, dass ich endlich einmal wieder eine eher nach innen gerichtete Rolle verkörpern durfte – und dass ich zur Abwechslung mal keinen einzigen zynischen Satz sagen musste. In Wirklichkeit bin ich nämlich gar kein Zyniker. Den Banker, den ich hier spiele, mag ich auch deshalb, weil er eine Art moralischer Kompass ist: hin- und hergerissen zwischen seinen Idealen und der Loyalität gegenüber seiner Firma.

Finden Sie, dass das Filmgeschäft und das Bankgewerbe zu unmoralisch sind?

Ich hatte das Glück, dass ich bisher nur mit Regisseuren und Produzenten arbeiten durfte, deren moralische Integrität außer Zweifel stand. Und ich kann Ihnen noch etwas verraten: 75 Prozent meiner Zeit verbringe ich damit, Banken und andere Konzerne davon zu überzeugen, dass es wichtig ist, Kunst und Kultur zu fördern. Ich bekomme keinerlei staatliche Unterstützung für mein Theater und muss das gesamte Budget selbst aufbringen. Glauben Sie mir: Ohne die Banken könnte ich den Laden dichtmachen.

Werden Sie da nicht ständig mit moralischen Fragen konfrontiert?

Ganz ehrlich: Ich brauche das Geld. Da ist es mir vollkommen egal, wo es herkommt. Wichtig ist doch nur, dass das Geld in meinem Theater etwas Gutes bewirken kann: Es ermöglicht uns zum Beispiel, jeden Abend 100 preiswerte Karten für Schüler und Studenten anzubieten. So haben in den vergangenen Jahren 75 000 junge Leute unsere Aufführungen gesehen, die sich sonst nie einen Theaterbesuch leisten könnten.

Macht Geld Sie glücklich?

Es ist mir ziemlich wurscht – was Sie schon daran sehen, dass ich vorwiegend am Theater arbeite, wo sich nun einmal nicht das große Geld verdienen lässt. Ich erinnere mich aber daran, dass mich meine allerersten Gagen beim Fernsehen sehr glücklich gemacht haben: Endlich konnte ich mir eine Wohnung leisten und den Leuten, die mich jahrelang unterstützt hatten, meine Schulden zurückzahlen. Das habe ich sehr genossen.

Haben Sie sich von Ihren Filmgagen nie etwas Verrücktes gegönnt?

Doch, doch. Ich habe mal eine Insel gemietet und einen Haufen Freunde eingeladen, um mich bei ihnen zu bedanken. Wir haben dort eine fantastische Woche zusammen verbracht. Das war definitiv das Dekadenteste, was ich mir je geleistet habe!

Das Gespräch führte Marco Schmidt

Auch interessant

Kommentare