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Yasmin (Maya Lauterbach) erfährt von Frank Henning (Heiner Lauterbach) die Gründe, warum er sich mit gefälschten Papieren als Privatlehrer ausgegeben hat.

„Spuren der Rache“ 

Interview mit den Lauterbachs: Wenn der Vater mit der Tochter dreht

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München - Heiner Lauterbach steht im TV-Film „Spuren der Rache“ mit seiner Tochter vor der Kamera. Es ist ein harter Stoff: Terror, Tote und Blut. Im Doppel-Interview spricht die 14-Jährige, wie es für sie war.

Ihre erste Rolle in ­einem TV-Film „spielte“ Maya ­Lauterbach, als sie gerade einmal 16 Monate auf der Welt war. In der Komödie Zwei Männer und ein Baby wurde sie mehr oder weniger liebevoll von ihrem Vater Heiner (63) durch die Gegend getragen. Inzwischen ist sie 14 Jahre alt und fest entschlossen, die Schauspielerei zu ihrem Beruf zu machen. Dass sie das Talent ihres ­Vaters geerbt hat, kann man am Montag und Mittwoch im Ersten bestaunen. In dem Zweiteiler Spuren der Rache (20.15 Uhr) spielt sie, wiederum an seiner Seite, die Hauptrolle. Wir trafen Heiner und ­Maya Lauterbach zum ­Interview.

„Spuren der Rache“ ist alles andere als ein Kinderfilm. Es geht um Terror, es gibt Tote, es fließt Blut. Hast Du, Maya, die Drehbücher ganz gelesen?

Maya Lauterbach : Ja, habe ich. Meine Eltern dachten: Wenn ich schon bei so etwas mitmache, dann ist es auch wichtig für mich zu wissen, wovon der Film handelt. Sie haben mir keine Szene vorenthalten.

Du bist hart im Nehmen.

Maya: Man muss Film und Realität auseinanderhalten. Wenn 50 bis 100 Leute am Set stehen, kommt man aber auch gar nicht auf die Idee, dass da jetzt ein echter Toter liegen könnte.

Sie beide haben sich sicher gemeinsam auf die Dreharbeiten vorbereitet. Wie muss man sich das vorstellen?

Heiner Lauterbach: Wir haben schon sehr intensiv gearbeitet. Das Gute war natürlich, dass wir sehr viele gemeinsame Szenen in dem Film haben. So konnten wir uns gut vorbereiten und wie aus dem Effeff spielen. Gerade bei den Szenen, die wir auf engstem Raum auf einem Boot gedreht haben, war das wichtig. Da herrschten 40 Grad, und wahrscheinlich wären die Kameramänner und alle anderen Kollegen irgendwann sauer geworden, wenn wir die Szenen immer wieder hätten wiederholen müssen, nur weil wir uns dauernd versprechen (lacht). So haben sie gesagt: „Es macht Riesenspaß mit euch.“ Ich muss Maya da auch mal ein Kompliment machen: Sie hat das alles schon sehr gut hingelegt.

Woher kannst Du so gut spielen? Sind das auch die Gene?

Maya: Hm. Schwer zu sagen.

Lauterbach: Sie ist einfach begabt. Sie hat Talent. Darüber ­hinaus hat sie noch etwas sehr Schönes, was man nicht lernen kann. Sie hat eine tolle Ausstrahlung. Wenn sie in einen Raum reinkommt, dann schaut man da hin. Das ist für einen Schauspieler etwas, für das er sich nur bedanken kann.

Wie empfindest Du das, Maya?

Lauterbach: Ach, danach sollte man sie gar nicht fragen.

Warum nicht?

Lauterbach: Weil es schön ist, wie es ist. Wenn sie anfängt, darüber nachzudenken, wenn es ihr bewusst wird, wie toll sie ist, dann ist das gefährlich (lacht). Dann verliert man dieses Besondere schnell wieder. Und das möchte ich nicht.

Konntest Du am Set vergessen, dass Du mit Deinem Vater spielst?

Maya: Das war in manchen Situationen schon schwierig. Einmal muss ich zu ihm sagen: „Ich wünschte, dass Ihnen jemand eine Kugel durch den Kopf schießt.“

Lauterbach: Ach komm, endlich konntest Du das mal sagen, ohne dass es Ärger gibt.

Maya: Nein, nein, das war schon komisch. Der Regisseur hat immer zu mir gesagt: „Maya, spiele so, als würdest du diese Person nicht kennen.“ Das hat mir geholfen.

Es gibt viele Schauspieler, die raten ihren Kindern ab, vor der Kamera zu arbeiten. Es kann ja auch ein harter Beruf sein...

Lauterbach: In erster Linie möchte ich, dass meine Kinder glücklich sind. Und dazu gehört, dass sie einen Beruf ausüben, der sie glücklich macht und den sie können. Das muss nicht die Schauspielerei sein. Mir wäre es lieber, Maya ist eine glückliche Gärtnerin als eine unglückliche Schauspielerin. Aber wenn sie nun mal das Talent mitbringt und die Leidenschaft, weiß ich nicht, warum ich sie abhalten sollte. Es ist einer der schönsten Berufe der Welt. Im Übrigen würde ich ja auch mein eigenes Leben infrage stellen, wenn ich meinen Kindern sagen würde: Lernt was Vernünftiges, die Schauspielerei ist kein Beruf.

Sie können das leicht sagen – wirkliche Krisenzeiten haben Sie als Schauspieler nie erlebt, Sie waren immer gut gebucht.

Lauterbach: Wie man es nimmt. Als ich meine erste Hauptrolle im Fernsehen spielte, war ich 30 Jahre alt. Davor habe ich aber auch schon gelebt. Ich habe viel Theater gespielt, für 50 Mark am Abend. Das war okay, aber es brauchte dann schon auch eine große Leidenschaft für den Beruf, um das durchzuhalten. Die Leidenschaft hat mich gerettet, wenn Sie so wollen. Sonst wäre ich – wozu ich ja auch einen Hang hatte – mit meinen Freunden in die Kneipe gegangen und hätte nur getrunken. Das wäre meiner Karriere schlecht bekommen.

Wird es weitere gemeinsame Projekte geben?

Lauterbach: Wir werden weiterhin zusammen arbeiten, können aber noch nicht sagen, wie unser nächster Film heißen wird.

Darum geht‘s im Film

Frank Hennings (Heiner Lauterbach) hatte sich sein Leben als frischgebackener Pensionär so schön vorgestellt: Zeit mit der Familie verbringen, reisen, den Alltag genießen. Doch dann passiert das Unfassbare: Seine Frau und seine Tochter sterben, als in Berlin ein Bombenanschlag auf einen Minister verübt wird. Hennings hat fortan nur noch ein Ziel vor Augen: Rache. Auf eigene Faust reist er nach Marokko, wo er den Drahtzieher des Anschlags vermutet, Sharif Nader (Michele Cuciuffo). Als angeblicher Privatlehrer für dessen Tochter Yasmin (Maya Lauterbach) schleust er sich ins Leben des Mörders seiner Familie ein...

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