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Delfine sollen gegen das Abschlachten geschützt werden: „Die Japaner wissen überhaupt nicht, was da passiert, denn die japanischen Medien haben noch nie darüber berichtet“, Ric O’Barry.

Ex-Tiertrainer Ric O’Barry über das Geschäft mit Delfinen

Interview zum Kinostart „Die Bucht“

München - Der Ex-Tiertrainer Ric O’Barry spricht im Interview über das Geschäft mit Delfinen, die japanische Mafia und erste Erfolge des Films „Die Bucht“.

In den Sechzigerjahren war er der höchstbezahlte Tiertrainer der Welt: Ric O’Barry dressierte die Delfine für die beliebte TV-Serie „Flipper“. Doch seit den Siebzigern führt er einen regelrechten Guerillakrieg gegen die Delfin-Industrie. Er befreit eigenhändig Meeressäuger aus der Gefangenschaft, kämpft leidenschaftlich für die Abschaffung aller Delfinarien – und dagegen, dass in dem japanischen Fischerdorf Taiji jedes Jahr Delfine abgeschlachtet werden. Von Ric O’Barrys Einsatz gegen diese Treibjagd handelt auch der Ökothriller „Die Bucht“, der am Donnerstag in unsere Kinos kommt.

-Haben Sie zu Zeiten von „Flipper“ nicht erkannt, was wir Delfinen antun, wenn wir sie einsperren und dressieren?

Nein. Damals war ich jung und dumm, und die Tiere haben mir ein luxuriöses Leben mit Rolex und Porsche ermöglicht. Ich war ein Ignorant. Doch als einer der Delfine in meinen Armen Selbstmord beging, hat mir dieser Schock buchstäblich das Herz gebrochen. Ich erkannte, was für eine Qual es für diese intelligenten, freiheitsliebenden Tiere ist, in Gefangenschaft zu leben.

-Delfine scheinen immer zu lächeln, wenn sie in Shows ihre Kunststücke zeigen...

Aber das sieht nur so aus. In Wirklichkeit leiden sie entsetzlich. In freier Wildbahn legen sie jeden Tag rund 100 Kilometer zurück, tauchen bis zu 300 Meter tief und kommunizieren mit Hunderten ihrer Artgenossen. Sie brauchen ihren Freiraum wie die Luft zum Atmen. In Gefangenschaft werden sie depressiv. Dass sie es mögen, in irgendwelchen Schwimmbecken zu unserer Belustigung Tricks vorzuführen, ist völliger Unsinn – ein Mythos, erschaffen von geldgierigen Firmen, die allein in den USA jährlich zwei Milliarden Dollar mit Shows verdienen.

-Sie haben erreicht, dass viele Delfinarien geschlossen wurden. Wegen Ihrer Befreiungsaktionen sind Sie oft im Gefängnis und vor Gericht gelandet. Seit acht Jahren kämpfen Sie jeden Herbst in der Taiji-Bucht gegen das Delfin-Gemetzel. Wie gefährlich leben Sie?

Die Gerichtsprozesse sind lästig, aber nicht gefährlich. Angst habe ich nur in Taiji – vor der Yakuza, der japanischen Mafia, die auch im Fischhandel ihre Finger im Spiel hat. Inzwischen muss ich mich verkleiden, bevor ich die Stadt betrete, um mich zu schützen. Vor diesen Leuten habe ich wirklich Schiss. Daran sehen Sie schon, dass ich kein echter Held bin!

-Im Film „Die Bucht“ hat man den Eindruck, als würden Sie auch von den dortigen Fischern bedroht.

Manchmal, ja. Vor den Fischern muss man sich vor allem dann in Acht nehmen, wenn sie betrunken sind. Einer von ihnen baut sich immer dicht vor mir auf und brüllt aus vollem Hals: „Privatplatz!! Privatplatz!!“ Er will damit sagen, dass ich mich auf Privatgelände befände, was aber nicht stimmt, denn ich achte sehr genau darauf, den Leuten dort keinen Grund für eine Verhaftung zu geben. Dieser Mann ist der gefährlichste unter den Fischern, weil sein Onkel das Delfinfleisch weiterverkauft und seine Familie deshalb bei einem Verbot der Treibjagd am meisten zu verlieren hätte.

-Wie denkt der Rest der japanischen Bevölkerung über das Abschlachten?

Die Japaner wissen überhaupt nicht, was da passiert, denn die japanischen Medien haben noch nie darüber berichtet. Kein einziges Mal! Als ich Menschen in Tokio Ausschnitte aus unserem Film zeigte, waren sie völlig geschockt. Sie konnten nicht glauben, dass die Aufnahmen echt sind. Darum hoffe ich sehr, dass „Die Bucht“ in die japanischen Kinos kommt: Wenn die Menschen durch unseren Film erfahren, wie sehr ihr Delfinfleisch mit Quecksilber verseucht ist, werden sie dieses Fleisch nicht mehr essen. Und dann wird das Gemetzel aufhören.

-Glauben Sie, dass die Regierung das Abschlachten verbieten wird?

Nein. Regierungen schützen nur große Konzerne, nicht etwa Menschen oder Tiere. Die Konsumenten selbst haben die Macht, die Qual der Meeressäuger zu beenden – ganz einfach, indem sie kein Delfinfleisch und keine Delfinshow-Karten mehr kaufen. Das ist das Wunderbare an unserem Film, dass er die Menschen erziehen und dadurch wirklich etwas verändern kann. Denn Regisseur Louie Psihoyos hat es geschafft, das Schicksal der Delfine so zu präsentieren, dass es für die Zuschauer unterhaltsam und spannend wie ein Thriller ist. Erste Erfolge gibt es schon.

-Wie sehen die aus?

Der Film hat einen Aufschrei der Empörung ausgelöst – und das hat offenbar dazu geführt, dass der Fischereiverband von Taiji angekündigt hat, die Zahl der gefangenen Tiere in dieser Saison massiv zu verringern. Das bedeutet zwar noch nicht das Ende des Gemetzels, aber es ist ein Fortschritt. Viele Kinobesucher haben mir versprochen, dass sie nie wieder ein Delfinarium betreten würden. Unser Film scheint einige Dinge in Bewegung zu bringen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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