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Wenn der Vater mit der Tochter: Til und Emma Schweiger backen gemeinsam in „Kokowääh“. Der Film startet am Donnerstag in den Kinos.

Interview: Til Schweiger über seinen neuen Film „Kokowääh“

München - In den siebten Stock des Münchner Luxushotels bringt der Aufzug einen nur, wenn er freigeschaltet wird. Til Schweiger - trainierter Oberkörper, blauer Pulli - empfängt am Ende des Gangs.

Vor dem Gespräch bittet der Schauspieler, Regisseur und Produzent, kurz telefonieren zu dürfen. Privat. Ob man draußen warten solle? „Nee!“ Schweiger, Jahrgang 1963, der in der Stadt ist, um Kinobetreibern seinen neuen Film zu zeigen, ist an diesem Nachmittag vor allem: entspannt. Am Donnerstag startet „Kokowääh“, den er inszenierte und in dem er die Rolle eines Vaters wider Willen spielt, in den Kinos.

In „Kokowääh“ spielen Sie Henry, vor dessen Wohnung plötzlich ein Mädchen sitzt, das behauptet, seine Tochter zu sein. Sie haben selbst vier Kinder. Wie war es, als Sie erfahren haben, dass Sie Vater werden?

Als meine Frau sagte, sie glaube, sie sei schwanger, bin ich losmarschiert und habe einen Test geholt. Der war negativ. Das wollte ich nicht wahrhaben. Also bin ich nochmal los und habe einen Test von einem anderen Hersteller geholt, um das zu verifizieren. Auch der war negativ und ich todunglücklich. Als sie zwei, drei Monate später wirklich schwanger wurde, war ich unendlich glücklich, weil ich mir immer Kinder gewünscht hatte. Das ist jedoch nichts gegen die Erfahrung, wenn das Kind geboren wird. Das ist ein ganz anderer Flash.

Sie waren bei der Geburt Ihrer Kinder dabei?

Ja klar, bei allen. Das darf man sich nicht entgehen lassen.

Sie leben heute in Berlin, Ihre Kinder bei der Mutter in Hamburg. Sie sehen sich regelmäßig. Was macht einen Vater aus?

Das ist eine schwere Frage. Ein Vater sollte in jedem Fall seinen Kindern so viel Liebe, Aufmerksamkeit und Selbstvertrauen geben, wie es nur geht. Er sollte sie - so lange wie möglich - durchs Leben begleiten und schauen, dass sie auf den richtigen Weg kommen.

Reflektieren Väter heute ihre Rolle stärker?

Man denkt eigentlich immer darüber nach, ob man ein guter Vater ist. Wenn man berufstätig ist - und das ist man in der Regel - und wenn man seine Kinder liebt - das ist bei allen Vätern, die ich kenne, der Fall -, ist man immer hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Familie so gut wie möglich zu versorgen, und dem Wunsch, so viel Zeit wie möglich mit den Kindern zu verbringen. Das ist immer ein Spagat. Dieses Problem haben aber auch berufstätige Frauen.

Ihre Tochter Emma spielt eine Hauptrolle in „Kokowääh“. Sie sind ihr beim Dreh also nicht nur als Vater, sondern auch als Regisseur und Schauspiel-Kollege begegnet. Lässt sich das trennen?

Ich habe ja mit ihr bereits „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ gedreht, und das hat super funktioniert. Zwar hört sie zuhause nicht immer sofort auf das, was ich sage - was ja oft bei Kindern der Fall ist -, am Set hat sie es getan. Während der Dreharbeiten hat sie bei mir gewohnt. Da war es abends manchmal schwieriger zu sagen „Mach bitte das Licht aus!“ und das auch durchzusetzen, als am anderen Tag am Set zu sagen: „Wir drehen die Einstellung jetzt nochmal.“

Eine Hauptrolle mit der eigenen Tochter zu besetzen, kann Spötter auf den Plan rufen...

Das wird passieren, das weiß ich. Aber die Konsequenz wäre gewesen, den Film nicht zu drehen. Und das nur, weil es zwei oder drei Neidern nicht passt? Nein. Alle Leute, die mir wichtig sind, wissen, wie das Verhältnis zwischen Emma und mir ist. Das genügt mir. Wenn ich auf Neider oder Spötter hören würde, müsste ich aufhören, Filme zu machen. Das sehe ich aber nicht ein. (Lacht.)

Haben Sie sich andere Kinder für die Rolle angeschaut?

Nein. Ich habe das mit Emma probiert, und sie hat das toll gemacht. Außerdem war ich egoistisch: Ich wusste, dass ich sie während des Drehs vier Wochen immer um mich haben werde. Welcher Vater hat das schon bei der Arbeit?

Würden Sie Emma zu einer Schauspiel-Karriere raten?

Dazu ist es viel zu früh. Sie hat Talent, Präsenz und ist spontan. Das ist wichtig für einen Schauspieler. Sie ist acht und sagt, sie wolle Schauspielerin werden. Aber das kann man jetzt noch nicht ernst nehmen. Wenn sie mich mit 17 fragt, wozu ich ihr rate, dann werde ich ihr sagen, dass sie das machen soll, woran sie Freude hat. Wer Spaß an seiner Arbeit hat, ist privilegiert.

Wird es nach „Kokowääh“ nun bald einen dritten Teil von „Keinohrhasen“ geben?

Wenn wir es schaffen, bis Juni ein Drehbuch zu entwickeln, das gut genug ist, um es zu verfilmen, dann sind wir an Weihnachten im Kino. Das lässt sich aber nicht herbeizwingen. Bislang existieren zwanzig Seiten des Drehbuchs. Daran arbeiten wir jetzt weiter.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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