Jäger wird Gejagter

- Mit dem Zusatz "Wem kannst Du trauen?" versah der Verleih hierzulande den Originaltitel "The Sentinel" (der Wächter). Seit dem 11. September 2001 weiß nicht nur der US-Bürger, dass man niemandem mehr trauen darf. Zumindest im amerikanischen Actionfilm ist das seit jeher ein Gebot.

Die Furcht vor dem Schläfer, der alle bestehenden Systeme von innen heraus aushöhlt, war Motor für Spielfilme wie den diesjährigen Oscargewinner "L.A. Crash" oder "Flightplan" mit Jodie Foster. In Clark Johnsons "The Sentinel" zeigt sich diese diffuse Angst vor dem Anderen jetzt ganz unkaschiert. Sogar der quasi-heilige Secret Service hat nun mit einem Maulwurf in den eigenen Reihen zu kämpfen, der natürlich dem Präsidenten nach dem Leben trachtet.

Secret Service-Agent Pete Garrison (Michael Douglas) ist ein alter Hase in der Branche und hat seinem Staatsoberhaupt vor einigen Jahren das Leben gerettet. Sein Schutz der Präsidenten-Gattin (Kim Basinger) fällt seit einiger Zeit allerdings noch etwas inniger aus. Als sämtliche Mitarbeiter des Secret Service einen Lügendetektor-Test absolvieren müssen, um den vermeintlichen Feind in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, fällt ausgerechnet das allseits geachtete Fossil Garrison durch und wird im Handumdrehen vom Jäger zum Gejagten.

Krimi im Weißen Haus

Und diese Jagd wird auch noch angeführt von David Beckinridge (Kiefer Sutherland), dessen Ehe der Weiberheld Garrison angeblich auf dem Gewissen hat.

Clark Johnson hat eine Menge Nebenschauplätze in seinen mitreißend beginnenden Polit-Thriller gepackt. Leider. Denn so verliert sich der ursprünglich hübsch überschaubare und daher gerade spannende Krimi viel zu schnell im Labyrinth der Codeworte und Geheimnisse des Weißen Hauses. Das ist eher in die Irre führend als aufregend, und Johnsons steter und beherzter Griff in die Trickeffekte-Kiste erweist sich meist als einer daneben.

Viele Schnitte suggerieren Tempo, aber das mag sich nicht auf den Zuschauer übertragen. Sicherheitshalber hat Johnson einen Soundtrack komponieren lassen, der jeden wichtigen Augenblick mit ordentlich großem Getöse ankündigt. Als ob man's nicht gleich sehen würde. Mit viel Brimborium und wackelnder Handkamera sucht Johnson seine immer dünner werdende Story aufzuplustern. Dazu hat er sich großzügig von Vorbildern des Genres wie "In the Line of Fire" oder "Auf der Flucht" inspirieren lassen. Was nicht das Schlechteste sein muss.

Doch die paar wirklich guten Momente verdankt der insgesamt arg durchschnittliche "The Sentinel" nahezu ausschließlich seinen Hauptdarstellern Douglas und Sutherland. Wenn die beiden letzten lebenden Diven des US-Actionkinos sich gehörig die Meinung pauken, kommt für kurze Minuten eine leise Ahnung davon auf, was ein anderer Regisseur aus dem Plot hätte zaubern können. (Ab Donnerstag in München: Mathäser, Royal, Leopold, Rio, Cinema i.O., Gabriel.)

"The Sentinel - Wem kannst Du trauen?"

mit Michael Douglas, Kim Basinger, Kiefer Sutherland

Regie: Clark Johnson

Annehmbar

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