Die Jagd auf dem Tretboot

- Das Ermittlerpaar Gavilan, ein alter Fuchs (Harrison Ford), und Calden, ein unerfahrener Anfänger (Josh Hartnett), wird zum Schauplatz eines Mordes gerufen. Kaum angekommen, bestellt sich Gavilan einen Hamburger. Kurz danach versucht er, einem Zeugen ein Haus zu verkaufen - im Nebenjob, der eigentlich seine Hauptbeschäftigung ausmacht, arbeitet er nämlich als Immobilienmakler. Das Makeln, das ihn von der Ermittlungsarbeit ablenkt, das ständige Klingeln seines Handys, mit dem er selbst während eines Verhörs Geschäfte abwickelt, bilden einen von mehreren Running-Gags in "Hollywood Cops".

<P>Der neue Film von Regisseur Ron Shelton, eine elegante Mischung aus Komödie und Thriller, bietet das helle Gegenbild zu seinem letzten Streifen "Dark Blue", einem illusionslosen Krimi voller Sozialkritik. Richtete sich dort der Blick auf die Institutionen, gilt er nun, weitaus milder und nachsichtiger, den Individuen. "Hollywood Cops" kombiniert Spannung mit Satire und dem Spiel mit Genre-Klischees. Damit erinnert der Film an manche Werke Alfred Hitchcocks - und daran, dass man so etwas in den letzten Jahren selten gesehen hat.<BR> <BR>Perfekte Mischung von Witz und Spannung</P><P>Auch Gavilans Kollege Calden beschäftigt sich mit anderen Dingen: Er will Schauspieler werden. Während einer Verfolgungsjagd üben beide Passagen aus "Endstation Sehnsucht". Gavilan fungiert als Stichwortgeber "Wer schreibt solchen Mist?" fragt er. Derart trockene Sätze aus dem Mund von Harrison Ford sind schon für sich genommen ein Genuss. Ohne den Action-Star völlig vergessen zu lassen, spielt Ford selbstironisch mit seinem Altern. Er ist relaxed, lakonisch und hellwach, zugleich erinnert er in der zerknautschten Überforderung an Peter Falks "Columbo".<BR><BR>Der Film ist auch Porträt des Los-Angeles-Lebensgefühls: Der naiv-optimistische, immer zögerliche und passive Calden, der außer seiner Bühnenambition auch noch einen Nebenjob als Yoga-Lehrer hat, verkörpert das Späthippietum, das L.A. ebenso prägt, wie der Geschäftssinn des zupackenden Gavilan, der in jedem - und sei es in einem Mordverdächtigen - einen potenziellen Kunden sieht. </P><P>So repräsentieren Gavilan und Calden beide Seiten der Metropole, die Shelton in all ihrer Hysterie, ihrer Mischung aus Ehrgeiz und vergeblicher Sehnsüchte aufs Korn nimmt. Der Film ist angefüllt mit Insider-Witzen und Cameo-Auftritten bekannter Stars: Martin Landau als greiser Produzent, Lolita Davidovich als Kopie der "Hollywood Madam" Heidi Fleiss, Robert Wagner als er selbst.<BR>Erfrischend intelligent ist schließlich die Inszenierung dreier Verfolgungsjagden, seit jeher eine der schwierigsten Abschnitte solcher Streifen. Dabei gelingen kreative Passagen voller Tempowechsel. </P><P>Ob eine Verfolgung auf dem Tretboot oder auf einem Kinderfahrrad: "Hollywood Cops" mischt auch hier Witz und Spannung in perfekter Nonchalance, bietet lässiges, intelligentes Kino.<BR><BR>"Hollywood Cops"<BR>mit Harrison Ford, Josh Hartnett, Martin Landau<BR>Regie: Ron Shelton<BR>Hervorragend </P>

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