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James Bond ist überall - besonders in London. Hier ein Plakat an der U-Bahn-Station Embankment.

Vorsicht, Spoiler!

Spectre: Das passiert im neuen James Bond

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London - Wer stirbt? Wer bleibt am Leben? Und wird Martini serviert? Wir haben uns den neuesten Film der Reihe exklusiv im Kino in London an der Marble Arch angeschaut und verraten, ob Spectre hält, was James Bond verspricht. Vorsicht, Spoiler!

Der James-Bond-Bus.

James Bond ist überall. Wer dieser Tage durch die britische Hauptstadt läuft, kann dem Geheimagent im Dienste ihrer Majestät gar nicht entkommen: Es gibt James-Bond-Nassrasierer im Drugstore, eine Aston-Martin-Sonderausstellung nur für Männer und -entgegen der Busse, die man in England eigentlich erwartet - einen himmelblauen Doppeldecker-Bus am Piccadilly Circus mit 007-Schriftzug an der Seite und einem überdimensionalen Daniel Craig hinten drauf. Spectre ist überall. Man kommt also gar nicht drum herum, sich den Film schon vor dem offiziellen Kinostart in Deutschland am 5. November anzuschauen. Aber lohnt sich der Kinobesuch für den neuesten James Bond? Vorsicht - ab hier starten die Spoiler.

James Bond - Spectre: Alles hängt zusammen

Das Wichtigste vorneweg: Alles hängt zusammen. Casino Royale, Ein Quantum Trost, Skyfall, Spectre - hinter allem Bösen, gegen das James Bond in den vergangen Filmen kämpfen musste, steht der Bond-Urbösewicht Ernst Stavro Blofeld. In Spectre zeigt er zum ersten Mal sein Gesicht, doch bis er das tatsächlich tut, dauert es recht lange.

Es geht wieder um James Bonds Vergangenheit, um den Tod seiner Eltern und darum, dass Bond bei einem Stiefvater und mit einem Stiefbruder aufgewachsen ist. Spectre macht da weiter, wo Skyfall aufgehört hat. Der Film beginnt mit den Worten "The Dead are alive", die Toten leben: Eine Menschenmasse feiert mitten in Mexiko "The Day of the Dead", den Tag der Toten. Bond (Daniel Craig) jagt einem Mann hinterher, verfolgt ihn bis in einen Helikopter und reißt ihm - während der Helikopter über den Köpfen der tanzenden und singenden Menschen ein paar halsbrecherische Loopings dreht - einen Ring mit einem eingravierten Oktopus vom Finger, dem Zeichen der Geheimorganisation Spectre. Dass die Anfangsszene beim "The Day of the Dead"-Festival spielt, dürfte kein Zufall sein: James Bond glaubte bislang, sein Stiefbruder Franz Oberhauser wäre tot, gemeinsam mit seinem Stiefvater bei einem Lawinenabgang ums Leben gekommen. Doch Franz Oberhauser lebt - er nennt sich jetzt nur Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz) und ist der Kopf von Spectre. Die Toten leben.

Und Blofeld hat seine Arme überall. Nach und nach hat er sich in den vergangenen Jahren in Bonds Leben geschlichen und seine Tentakeln immer enger um seinen Stiefbruder geschlungen. Christoph Waltz' Part ist dennoch verhältnismäßig klein - man erahnt in zwar, doch sein Gesicht bleibt lange Zeit im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Nur ein einziges Mal blitzt der Wahnsinn in Blofelds Augen tatsächlich auf, ansonsten wirkt er - völlig Waltz-untypisch - fast etwas zurückhaltend. Gut also, dass James Bond am Ende besseres zu tun hat, als seinen Stiefbruder mitten in London auf der Westminster Bridge zu erschießen. M (Ralph Fiennes) nimmt Blofeld stattdessen fest und so darf man hoffen, dass Waltz noch viele Auftritte als Bösewicht bevorstehen.

James Bond - Spectre: Drehorte auf der ganzen Welt

Spectre spielt in Mexiko und Sölden (Österreich), in London und Tokyo. Es gibt natürlich schnelle Autos, jede Menge Verfolgungsjagden und den Bond-typischen Humor: 007 bestellt in Österreich einen Martini (und sagt endlich wieder den Satz "Geschüttelt, nicht gerührt"), doch die Bar im Bergrestaurant "Ice Q" (im Film eine Klinik) verkauft keinen Alkohol. Stattdessen bekommt James Bond irgendein unglaublich gesundes, sicherlich veganes und wahnsinnig grünes Getränk serviert. Er bittet lakonisch und mit typisch britischer Trockenheit, das Gebräu einfach ins Klo zu kippen - großartig gespielt von Daniel Craig, der im neuesten Bond einmal mehr beweist, dass die Rolle schlicht zu ihm passt. Natürlich gibt es auch in Spectre die schönen Frauen - und für Bond vielleicht sogar die große Liebe. Denn sein Bondgirl Madeleine Swan (Lea Seydoux) stirbt am Ende nicht und so fährt er mit ihr, beinahe schon ein wenig kitschig, in den Sonnenuntergang. Da stellen sich viele Fans die Frage: Gibt er für sie vielleicht sogar seinen Agentenjob auf? Also: Hört Daniel Craig auf? Spekuliert wurde schon einiges, klar ist noch gar nichts.

Wer es hingegen sicher nicht noch einmal in einen Bond-Film schaffen wird, ist Andrew Scott in der Rolle des C. Fans der britischen Serie "Sherlock" kennen Scott als Sherlocks Erzfeind Moriarty und so war auch in Spectre recht schnell klar: C kann kein guter Charakter sein, obwohl dieser scheinbar der britischen Regierung angehört. Wie sich herausstellte, war C jedoch einer der Arme von Blofeld, eingeschleust beim MI6, um Bond zu überwachen. Am Ende allerdings wurde C von M mehr oder weniger versehentlich von einem Hochhaus in die Tiefe gestürzt. Manchmal leben die Toten eben doch nicht.

James Bond - Spectre: Darum ist der 007-Film so gut

Wobei, vollkommen und absolut eindeutig ist bei James Bond gar nichts - nicht mal der Tod. Denn in Spectre dürfen sich Fans auf einen kleinen Auftritt einer Dame freuen, die seit der Mitte der 1990er-Jahre ("Golden Eye") eigentlich gar nicht mehr aus den James-Bond-Filmen wegzudenken ist: Judi Dench schaut tatsächlich nochmal in ihrer Rolle als M vorbei.

Fazit: Spectre ist gut, weil es eben nicht nur um schnelle Autos und wirres Herumgeballere geht. Spectre erzählt, wie auch die Vorgängerfilme, eine Geschichte, James Bonds Geschichte. Wer Casino Royale und Skyfall nicht kennt, wird aber trotzdem 150 Minuten lang gut unterhalten. Also: unbedingt anschauen. Und am besten auf Englisch, um den grandiosen britischen Akzent genießen zu können.

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