Jede Berührung ein Liebesakt

- Der Mann ist ratlos. Er bewege sich doch genau so, wie man es ihm beigebracht habe, und trotzdem sei die Partnerin unzufrieden. Die strenge Tanzlehrerin weiß die Antwort: "Rumba ist der Tanz der Liebe." Jede Berührung ist ein Liebesakt, und an den Stellen, an an denen man kurzzeitig den Körperkontakt verliert, vergeht man vor Sehnsucht. Ganz einfach also. Aber eben deshalb ist es kompliziert mit dem Tanzen in "Darf ich bitten?".

<P>Richard Gere spielt den gelangweilten Büromenschen John Clark, der sich in eine Tanzschule verirrt, weil ihm die unnahbare Tanzlehrerin Paulina (Jennifer Lopez) auffällt. Die dreht ihm einen Kurs an, von dem John seiner Frau (Susan Sarandon) nichts erzählt. Und es ist nicht klar, wofür er sich mehr geniert: fürs Anschmachten einer anderen Frau oder fürs Tanzen. Alles wird noch schwieriger, als John unerwartet Freude am Tanzen findet und sich exzentrisch benimmt, wenn er etwa im Büro Schritte heimlich übt. Die Gattin wittert Ehebruch, die alltägliche Arbeitsroutine wird immer lästiger, die magischen Stunden im Tanzstudio werden zur Droge, die ein wenig Freiheit und Frieden schenken.</P><P>Peter Chelsom inszeniert das warmherzig und mit genauem Blick für vermeintliche Nebensächlichkeiten. In dieser Hinsicht bleibt er eng an der Vorlage "Shall we dance" von 1997. Genau wie im japanischen Original wird nur angedeutet und unter der Oberfläche erzählt. In Wahrheit geht es ja um einen unglücklichen Mann in mittleren Jahren, der neben sich her lebt. Erst die Schwärmerei für eine andere hilft ihm, sich selbst und die Liebe zu seiner Frau wieder zu entdecken.</P><P>Tanz funktioniert angenehm unaufdringlich als Metapher für das Leben: Es kommt auf die richtige Mischung aus Gelassenheit und Konzentration an. Weil Chelsom Sex klug ausklammert, steigt die erotische Spannung seiner Tanzszenen, bis es knistert. Sehnsucht und verzehrende Leidenschaft wird im Tanz ausgedrückt - da muss nicht viel geredet werden.</P><P>Richard Gere mit seiner leicht spröden Ausstrahlung ist ein Besetzungscoup. Wie er widerwillig der Magie der Bewegung verfällt, ist so nuanciert gespielt - das hätte man ihm gar nicht zugetraut. Jennifer Lopez agiert als melancholische Traumfrau überraschend zurückhaltend und überzeugt erstmals seit langer Zeit. Offenbar fühlt sie sich wohl in der Rolle - sie ist schließlich gelernte Tänzerin.</P><P>"Darf ich bitten?"<BR>mit Jennifer Lopez, Richard Gere<BR>Regie: Peter Chelsom<BR>Sehenswert <BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lachattacken im Schnellformat: Bullyparade-Film ab Donnerstag im Kino
Michael Bully Herbig bringt seinen nächsten Film ins Kino. Am Donnerstag feiert „Bullyparade - Der Film“ seine Premiere - Lachattacken garantiert.
Lachattacken im Schnellformat: Bullyparade-Film ab Donnerstag im Kino
Kinoflim „Tigermilch“: Ein Prosit auf die Pubertät
Wir trafen die Hauptdarstellerinnen von „Tigermilch“ – Der Film nach Stefanie de Velascos Roman startet nächste Woche.
Kinoflim „Tigermilch“: Ein Prosit auf die Pubertät
„Willkommen bei den Hartmanns“ geht ins Oscar-Rennen
Die Oscars werden zwar erst im März 2018 verliehen, doch für Deutschland wird es schon diesen Monat spannend: Eine Fachjury entscheidet, welcher deutsche Film ins Rennen …
„Willkommen bei den Hartmanns“ geht ins Oscar-Rennen
Sechs Filmzitate, die improvisiert waren
München - Filmzitate bleiben unvergesslich! Doch haben Sie gewusst, dass die meisten davon improvisiert waren und so eigentlich nicht im Drehbuch standen? Welche das …
Sechs Filmzitate, die improvisiert waren

Kommentare