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61-jähriger Lausbub: In seinem aktuellen Film spielt Jeff Bridges das Gegenteil, einen bärbeißigen Marshall. 

Jeff Bridges: „Ich hätte nichts gegen einen zweiten Oscar“

München - Er kichert vergnügt, er grinst bis über beide Ohren, der Schalk blitzt ihm aus den kleinen, von Lachfalten umrandeten Augen: Trotz seiner 61 Jahre wirkt Jeff Bridges im persönlichen Gespräch noch immer wie ein Lausbub.

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Seitdem der US-Amerikaner den Dude in „The Big Lebowski“ verkörpert hat, genießt er Kultstatus. Tatsächlich ist Bridges ein verdammt cooler Kerl. Aber einer mit ganz reizenden Umgangsformen - im Gegensatz zu dem bärbeißigen Marshall, den er in „True Grit“ spielt. Der Western, den der Oscar-Preisträger vor einigen Tagen zur Eröffnung der Berlinale präsentierte, läuft am kommenden m Donnerstag in den deutschen Kinos an.

-Wie haben Sie reagiert, als Ihnen Ethan und Joel Coen die Hauptrolle in „True Grit“ angeboten haben?

Ich dachte, die haben ein Rad ab. Ich wusste zwar schon lange, dass das zwei schräge Vögel sind. Aber die Idee erschien mir völlig bescheuert, schließlich gibt es den Film schon. Er ist ein Western-Klassiker. John Wayne hat dafür seinen einzigen Oscar bekommen. Warum sollte ich versuchen, gegen ihn anzustinken? Aber dann haben mir die Coen-Brüder erklärt, dass sie der alte Film überhaupt nicht interessiert. Sie wollten gar kein Remake machen.

-Sondern?

Sie wollten die Romanvorlage von Charles Portis völlig neu verfilmen. Sie gaben mir das Buch zu lesen, und ich verstand sofort, was sie daran gereizt hat: Es liest sich nämlich wie ein Drehbuch zu einem Film der Coen-Brüder. Es steckt voller skurriler Figuren und überraschender Wendungen.

-Das Western-Genre gilt eigentlich als reine Männerdomäne. In „True Grit“ ist die Hauptfigur allerdings ein 14-jähriges Mädchen.

Deshalb glaube ich auch, dass der Film für Frauen ebenfalls interessant sein könnte - zumal meine junge Leinwand-Partnerin Hailee Steinfeld wirklich sensationell spielt und alle Sympathien auf ihrer Seite hat. Während der Dreharbeiten hat sie uns übrigens ordentlich auf Trab gehalten: Sie hat eine Fluch-Kasse eingeführt. Für jedes „Fuck“ musste man beispielsweise fünf Dollar einzahlen. Mit dieser Kasse hat sie wahrscheinlich sogar mehr verdient als mit ihrer Filmgage…

-Mögen Sie Western?

Ja, ich liebe Western! Das liegt nicht nur daran, dass ich ausgesprochen gern reite, sondern wahrscheinlich vor allem an meinem Vater Lloyd Bridges: Der war ein echter Hollywood-Western-Haudegen. Und das Genre weckt bei mir immer Kindheitserinnerungen an die Zeit, als wir Jungs Wildwest gespielt haben.

-Haben Sie als Kind lieber den Cowboy oder den Indianer gespielt?

Beides. Als Indianer durfte man natürlich immer wunderbaren Federschmuck tragen. Aber als Cowboy hatte ich einen unschätzbaren Vorteil: Wenn mein Vater gerade mal wieder einen Western drehte, kam er oft in voller Montur heim, in staubigen, abgewetzten Cowboy-Klamotten. Und er hat mir erlaubt, seine Stiefel und seinen Stetson-Hut zu tragen. Ein Traum!

-Wollten Sie damals schon Schauspieler werden?

Nein. Meine Eltern wollten das. Sie haben beide das Showbusiness so geliebt, dass sie sich von uns Kindern gewünscht haben, denselben Weg einzuschlagen. Ich hingegen wollte wie die meisten Kinder nicht auf meine Eltern hören. Stattdessen habe ich mich eher für Musik und Kunst interessiert. Zwar stand ich aus Spaß immer mal wieder vor der Kamera, doch erst ungefähr nach dem zwölften Film habe ich erwogen, die Schauspielerei zu meinem Beruf zu machen. Heute bin ich froh darüber. Schließlich kann ich die Musik ja immer mal wieder in meinen Filmen einsetzen - wie zum Beispiel in „Crazy Heart“, wo ich einen abgehalfterten Country-Sänger spielen durfte.

-Der Film hat Ihnen im vergangenen Jahr Ihren ersten Oscar beschert. Nun sind Sie für „True Grit“ wieder als bester Hauptdarsteller nominiert…

…und ich hätte, ehrlich gesagt, nichts dagegen, wenn ich noch mal gewinnen würde! Andererseits wäre es für mich überhaupt nicht schlimm, zur Abwechslung jemand anderem den Vortritt zu lassen. Ich habe gesehen, wie brillant Colin Firth in „The King’s Speech“ ist. Und ich glaube, diesmal wird er die schnuckelige Statuette nach Hause tragen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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